Reden im Clubhouse ist exklusiv - Foto Guido Walter

Reden im Clubhouse

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Als Unternehmer muss man die Vor- und Nachteile von Clubhouse abwägen. Wie wichtig ist der Zugang zu neuen Kundenkreisen außerhalb des eigentlichen Geschäfts? Das ist zum Beispiel eine Frage, die man für sich klären sollte. Die Erkenntnis der ersten Stunde: Reden im Clubhouse – da ist es mit der Verlinkung nicht weit her.

Reden, Reden, Reden

Am neuen sozialen Netzwerk Clubhouse scheiden sich die Geister. Wer jemanden auf die Plattform einladen will, der muss der App Zugriff aufs eigene Adressbuch gewähren. Den Datenschutzbedenken stehen unerwartete Einblicke und interessante Begegnungen gegenüber. Unternehmer sollten bestimmte Verhaltensnormen wahren.

Selten hat ein neues soziales Netzwerk vom Start weg so polarisiert wie Clubhouse. Wer Clubhouse noch nicht kennt: Es handelt sich hierbei um eine Social-Audio-App. Anstatt Texte, Bilder oder Videos zu teilen, führen die Nutzer Gespräche miteinander. Nennen wir es Community-Telefonieren. Die ersten, die sich begeistert darauf stürzten, waren Künstler, Journalisten und Politiker.

Reden, oft stundenlanges Dauerreden im Clubhouse begeistert vor allem die junge Startup-Community. Die berichtet dann begeistert von Sessions mit Elon Musk oder anderen Helden der neuen Zeit. Die Woge der Begeisterung löste bei mir als Journalisten zunächst einmal Skepsis aus. Denn das Argument des Datenschutzes wiegt schwer.

Zugriff aufs eigene Adressbuch

Wer jemanden auf die Plattform einladen will, der muss der App Zugriff aufs eigene Adressbuch gewähren. Ich habe dazu einen Geschäftsführer eines Unternehmens gefragt, der Online-Kurse im Netz anbietet. Er hat große Bedenken. „Ich kann einfach nicht jemanden die Telefonnummern meiner Kunden ausliefern. Das kann ich mit meinen Überzeugungen nicht vereinbaren.“ Ich finde, dass ist ein nachvollziehbarer Standpunkt.

Daten ripp-off

Die App sendet sämtliche Telefonnummern an die Betreiberfirma Alpha Exploration, wo sie gespeichert werden. Clubhouse sammelt also Daten von Menschen, die in keinem Kontakt zum Dienst stehen. Und die keine Gelegenheit hatten, den Datenschutzrichtlinien von Clubhouse zu widersprechen. Clubhouse läuft allerdings auch auf dem Smartphone von jemanden, der sich dem totalen Daten-ripp-off verweigert.

Datenschutz: mangelhaft

Denn man kann Clubhouse auch im Nachhinein den Zugriff auf Daten entziehen. So kann nachträglich z.B. der Zugriff auf das Adressbuch entzogen werden. Die App läuft dann zwar, die Kontaktaufnahme gestaltet sich aber komplizierter. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Alpha Exploration wegen rechtlicher Mängel bereits wegen eines fehlenden Impressums abgemahnt. Dass der Betreiber von Clubhouse die hochgeladenen Kontaktinformationen aus den Adressbüchern der Smartphones nutzt, sei ein Verstoß  gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung.

Club der Multiplikatoren

Clubhouse ist mit etwa zwei Millionen Nutzern noch ein kleines Netzwerk. Die, die dabei sind, sind aber größtenteils Multiplikatoren. Die Macher der App haben von Beginn an auf Promis wie Oprah Winfrey, Drake oder Paris Hilton gesetzt. Ein cleverer Schritt war es, den Zugang zur App zu begrenzen. Wer zu den Auserwählten gehört, darf nur zwei neue Mitglieder reinholen.

Wertvolles Netzwerk

Das Prinzip ähnelt dem eines exklusiven Clubs. Wer drin ist, ist drin. Wer draußen ist, will rein. So schafft man Begehrlichkeiten. Die Nutzerzahlen steigen stark an. War Clubhouse noch im Mai 2020 bei einer Finanzierungsrunde mit 100 Millionen US-Dollar bewertet worden, gehen Experten jetzt davon aus, dass der Wert bei über einer Milliarde US-Dollar liegt. Es sieht also alles danach aus, dass wir es mit einem sozialen Netzwerk von überragender Bedeutung zu tun haben.

Verlinken geht kaum

Ob man als Unternehmer mitmachen sollte, ist eine Entscheidung, die jeder selbst treffen muss. Wie wichtig ist der Zugang zu neuen Kundenkreisen außerhalb des eigentlichen Geschäfts? Das ist zum Beispiel eine Frage, die jeder selbst klären sollte. Mit der Verlinkung ist es bei Clubhouse nicht weit her. Bislang sind lediglich Instagram und Twitter angebunden. Ein Unternehmer kann aber zumindest seine Website unter seinem Profil angeben.

Zuhören oder Mitdiskutieren

Clubhouse ist ein niederschwelliger Kommunikator. Die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen mit ähnlichen Interessen ist geradezu spielerisch leicht. Man klickt sich in einem Raum ein, hört zu oder diskutiert mit. Wer will, kann allen Teilnehmern im Podium folgen und bekommt dann maßgeschneiderte Einladungen zu neuen Events. Eifrige Moderatoren rufen zum Reden im Clubhouse auf: „Seid mutig, traut Euch auf die Bühne!“. Noch halten sich wenige an die Regeln. Auf den Punkt kommen, ist eine davon.

Die Leute haben Zeit

Dass dabei viel Zeit draufgeht ist, klar. Aber im Zeitalter von Home Office und Corona investieren Menschen die Zeit gern. Wer nur zuhört, kann Clubhouse nutzen wie ein Radio oder Podcast. Hier liegt auch ein Geheimnis des Erfolgs. Denn als Audio-App dockt Clubhouse clever an einen bestehenden Trend an. Das gesprochene Wort hat im Netz Konjunktur. Privatleute, aber vor allem auch Unternehmen haben den Podcast als Format entdeckt, mit dem sich viele Inhalte kostengünstig produzieren und präsentieren lassen.

Hatespeech findet kaum statt

Clubhouse ist eine sehr junge Idee. Sie wird von vielen Menschen für Business- und Vernetzungszwecke genutzt. Der bei Facebook so gefürchtete Hatespeech hat hier kaum Einzug gehalten. Offenbar achtet man beim gesprochenen Wort eher auf eine gepflegte Ausdrucksweise. Ob Clubhouse gegebenenfalls einschreiten würde, ist nicht bekannt.

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