Workathon – Das Leben ist ein Marathon

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Im Zeitalter der digitalen Transformation muss jeder Unternehmer darauf achten, mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Workathon und Hackathon – das sind geeignete Methoden, um Mitarbeiter auf ein Ziel zu verpflichten und neue Produkte und Dienstleistungen auf den Weg zu bringen.

Der Fortschritt verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Würden wir in einer Zukunftswelt leben, in der uns automatisierte Systeme jedwede Arbeit abnehmen würden, wäre das kein Problem. Quantum Computing steuerte die nötige Rechenleistung bei, um jedes Up- oder Reskill zu meistern. Bei uns Menschen ist das nicht so einfach. Wir denken linear, eignen uns technologischen Fortschritt selbst an und werden erst mit der Zeit mit dem Neuen vertraut.

Viel in kurzer Zeit erreichen

Was für manche ein Sprint ist, ist für andere ein Marathon. Oder ein Workathon. Oder ein Hackathon. Denn das ganze Leben ist eine Art Marathon, in der Ära des lebenslangen Lebens und des agilen Arbeitens. Es ist kein Zufall, dass das Wort „Marathon“ Pate bei einer ganzen Reihe von Wortschöpfungen für Methoden stand, mit denen eine Gruppe in einem bestimmten Zeitraum ein bestimmtes Ziel erreichen soll.

Kick-Start durch einen Workathon

Etwa in einem Workathon. Sagen wir, ein Unternehmen der Lebensmittelbranche hat nach langen Strategiesitzungen endlich den Weg der Nachhaltigkeit betreten und will das Neue in einem Kick-Start manifestieren. Umweltbewusst, faire Löhne in den Herkunftsländern der Produkte, nachhaltige Lieferketten. Ein neuer Geist soll her, ein neues Mindset.

Fragen schließen sich an: Was bedeutete das für den Vertrieb? Wie stellen wir das Marketing auf? Wie rüsten wir uns für die Reaktionen in den sozialen Medien?

Ein Tapetenwechsel hilft

Ein Workshop in den gewohnten Räumen ist vielleicht nicht geeignet, um das Neue heraufzubeschwören. Deshalb ist ein Workathon häufig mit einem Tapetenwechsel verbunden. Eine Gruppe von Mitarbeitern reist gemeinsam zu einem Ort, in dem sich, etwa eine Woche lang, konzentriert zu einem Thema arbeiten lässt. Abseits der Unternehmensroutine und dem gewohnten prozessorientierten Arbeiten entstehen neue Ideen und Zukunftsvisionen leichter.

Konferenztisch als zentraler Ort

Die postulierten Ziele machen vielleicht manchen Angst, aber entpuppen sich bei einem Workathon am Ende meistens als realistischer, als dies die Mehrheit am Anfang vermutet hat. Damit nicht alle auf einem Projekt arbeiten, wird die Gruppe geteilt, und Ziele jeweils für die Gruppe definiert. Der Raum, in dem der Workathon stattfindet, benötigt ein spezielles Setup. Ein Konferenztisch ist der zentrale Ort, an dem sich die Gruppen zu Besprechungen zusammenfinden.

Aktive Beratung durch Mentoren

Der abschließende Pitch kann hier, oder wenn vorhanden, auf einer Bühne stattfinden. In den Projektbereichen gibt es große Arbeitstische, an denen die Teilnehmer an ihren Projekten arbeiten. Tafeln und Stellwände erleichtern die Übersicht über den Stand der Projekte. Bei jedem Workathon gibt es Mentoren, die Teilnehmer aktiv beraten,  häufig sind sie Experten für bestimmte Themen wie Agiles Arbeiten, Unternehmer-Mindset, Affiliate Marketing oder Preisstrategie.

Workathon beim Ars Electronica Festival mit Facilitator Daniela Krautsack und Mentor Bradly Dunn Klerks – Fotos Daniela Krautsack

Wie sich das Erlernte nicht verflüchtigt

Es geht aber nicht nur um das direkte Mentoring vor Ort, sondern auch um die Zeit nach dem Workathon. Denn die Teilnehmer brauchen einen konkreten Fahrplan, damit sich das Gelernte im Alltag des prozessorientierten Arbeitens nicht wieder verflüchtigt. Alles wird schriftlich festgehalten. Damit jeder Teilnehmer des Workathons den Überblick behält und sich nicht später rausreden kann.

Die Uhr tickt

Ein Workathon kann online wie offline stattfinden, die Arbeitsschritte sind ähnlich:  Umsetzung, Feedback in der Gruppe, Input, Planung und dann erneute Umsetzung. Der Workflow ist so zügig, dass keine Langeweile aufkommt. Bei jedem Workathon tickt die Uhr, nämlich bis zum Zeitpunkt des Pitchs, zu dem die Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren.

Vom Workathon zum Hackathon

Während sich ein Workathon an Mitarbeiter jedweder Couleur richten kann, zielt ein Hackathon in erster Linie auf Programmierer. Ich habe vor einiger Zeit an einem Hackathon der Deutschen  Bank in Berlin teilgenommen, bei dem Softwareentwickler 30 Stunden Zeit hatten, an Prototypen für neue Produkte zu basteln. Nach  Ablauf der Frist hatten die Teams nur vier Minuten Zeit, um eine Jury von ihrer Idee zu überzeugen – und damit womöglich mit der Bank ins Geschäft zu kommen.

Höhle der Löwen

Die Veranstaltung erinnerte an die TV-Show „Höhle der Löwen“, in der Erfinder ihre Ideen mal interessierten, mal abgeneigten Investoren vorstellen. Eine Art „Höhle der Löwen“ für junge Programmierer also, denen beim „Hackathon“ Preisgelder in Höhe von insgesamt 50.000 Euro winkten.

„Nap Zones“ für Programmierer

Das ursprünglich in Großbritannien entwickelte Format ist schwer in Mode. Auch Commerzbank und Ing Diba veranstalteten schon Preis-Programmier-Events. Allesamt sind sie eine Mischung aus Programmieren, Party und Chillen – ein Berlin hatte die Deutsche Bank erschöpften Programmierer sogar eine eigene „Nap Zone“ mit Stockbetten eingerichtet.

Die Erkenntnis, etwas versäumt zu haben

Vieles in möglichst kurzer Zeit erreichen – das ist die Idee hinter den „Athons“, den Workathons oder Hackathons. Häufig steckt die Erkenntnis eines Versäumnisses dahinter, etwa das der Banken, bei der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. Die Geschäftsmodelle der Branche stehen in den nächsten Jahren vor einschneidenden Veränderungen und werden von Google, Paypal, Apple und innovativen FinTech-Startups bedroht.

Wandlung zu Technologieunternehmen

Geschäftsführer und Vorstände von mittelständischen Unternehmen, die bislang klar im Industrie-, Dienstleistungs- oder Finanzbereich verortet waren, erkennen im Zeitalter der digitalen Transformation, dass sie sich zu Technologieunternehmen wandeln müssen. Neue Produkte und Dienstleistungen werden zunehmend von Usern, und nicht mehr in den Forschungsabteilungen der Unternehmen erdacht.

Keine Abschottung mehr

Die früher übliche Abschottung und Geheimniskrämerei bei der Produktentwicklung tritt zugunsten von Kooperation und Vernetzung mit Dritten, zum Teil sogar mit dem direkten Konkurrenten, in den Hintergrund. Das erfordert ein komplett neues Mindset, und auf dem Weg dahin darf keine Idee, keine Vision verloren gehen. Ein Workathon ist somit ein guter Weg, um Ideen zu sammeln und zu fixieren. Die Umsetzung muss aber konsequent gemonitort, die Ergebnisse der Projektgruppen weiterverfolgt werden.

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