Verhaltensregeln AC - Foto von Pixabay

Verhaltensregeln im Büro: Die neue Höflichkeit

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Das Intermezzo des Home Office neigt sich dem Ende entgegen und damit auch das Geschlumpfe zuhause. Demnächst treffen wir im Büro wieder echte Menschen. Zeit für eine Auffrischung der Verhaltensregeln, sprich den Büro-Benimm. 

Gut frisierte Fußballer oder Politiker haben in der Corona-Zeit für Aufsehen gesorgt. Warum sind die so so gut frisiert, wenn doch alle Friseure zu haben? Lassen die sich etwa schwarz frisieren?

So mancher Manager, Geschäftsführer und Abteilungsleiter blickt neidisch auf gestylte Führungskräfte. Selbst, wenn ab 1. März die Friseure wieder aufmachen dürfen. Die Wartelisten sind jetzt schon endlos. 

Planet der Langhaar-Affen

Nichts gegen lange Haare. Aber gepflegt müssen sie ein. Ich bin garantiert nicht der einzige mit einer Großmutter, die diesen Satz gern zum besten gab. Etliche Zoom-Calls der letzten Monaten haben mich allerdings an ein Casting für den Film „Planet der Affen“ erinnert. Es ist also Zeit für neuen Haarschnitt. Dabei bleibt es aber nicht.

Anzug ohne Hose

In Berlin stellte der Künstler Andy Kassier bei einer Ausstellung einen Anzug vor, der nur aus einer Jacke bestand. Auf den Einwand, dass zu einem Anzug auch eine Hose gehörte, entgegnete er: Ja, aber nicht bei Zoom-Calls. Soviel zu digitalen Verhaltensregeln. Es empfiehlt sich für Führungskräfte, im echten Büro auch wieder in einem echten Anzug zu erscheinen. Auch wenn vor kurzem die Jogginghose für draussen als Modetrend 2021 ausgerufen wurde.

So war der Business-Look

Zur Erinnerung: „Business casual“ ist der formelle Anzug in blau oder grau, uni oder dezent gemustert, klassisches Hemd, offener Kragen, keine Krawatte. Die hat eh Ex-Daimler-Chef Zetsche auf dem Gewissen, und das war lange vor Corona. Bei einem Zoom-Call mag bequeme Kleidung okay sein. Nach dem Motto, der sitzt eh den ganzen Tag vor der Kiste. Im Schlafanzug zur Telko? Ungewöhnlich, aber es ist ja Home Office.

Mir doch egal, wie ich auf euch wirke

Im echten Büro signalisiert nachlässige Kleidung allerdings: mir doch egal, wie ich auf Euch wirke.

Es ist Zeit, wieder klar zwischen Arbeit und trautem Heim zu unterscheiden. Wir werden uns irgendwann amüsieren über die Verhaltensregeln BC für Before Corona und AC für Anno Corona. Die Zeitrechnung dieser Verhaltensregeln ’neu‘ beginnt mit Eintreten der Pandemie. Bald heißt es: Weg mit dem Ringlicht, weg mit dem Regal, mein neuer Business Look, leider geil. Die Remote-Arbeit hat uns nicht nur zu Schlümpfen, sondern oft auch zu kleinen Autisten gemacht.

Telefon zur Seite legen

Nicht jeder verhält sich in einem Online-Meeting so, wie er es in einem Konferenzraum mit echten Kollegen machen würden. Die Art der Begrüßung von Partnern, Kunden oder Lieferanten ist online anders. Zeit, sich wieder umzustellen. Beim Gespräch oder bei Konferenzen muss das Telefon ausgeschaltet sein und beiseite gelegt werden. Nur so als Erinnerung.

Mikro aus und alles ist okay

Echte Treffen haben auch Vorteile. Wer in einem realen Meeting zu spät kommt, haucht eine Entschuldigung, setzt sich geräuschlos hin und hört erstmal nur zu. Und checkt, bei welchen Themen die Kollegen sind und was ggf. schon besprochen wurde. Wenigstens entfällt dann das Stummschalten des Mikrofons, was bei Online-Räumen sehr nervig sein kann.

Konzentration neu lernen

Andererseits: Wir müssen wieder lernen, uns in Konferenzen zu konzentrieren. Mikro aus geht dann nicht mehr. Bei realen Meetings stehen die Kollegen danach noch oft zusammen und reden. Zur Erinnerung: echte Menschen stehen beisammen und reden miteinander. Die Älteren werden sich erinnern. Das einfache „Auf Wiedersehen“ bei Zoom genügt nicht mehr. Oder gar das „Leave quietly“-Fortschleichen bei Clubhouse.

Es fehlt der menschliche Austausch

Ich will ja niemanden etwas unterstellen. Aber dass Unternehmen in der Remote-Zeit ihr Teamplay wesentlich verbessert haben, halte ich für ein Gerücht. Dafür fehlt es am menschlichen Austausch. Etwa der kurze Hinweis oder die Warnung an die Kollegin oder den Kollegen, der oder dem ein unangenehmes Gespräch mit dem Chef oder dem Vorstand bevorsteht.

Apfel am Schreibtisch

Zu den Vorteilen des Remote-Arbeitens zählte, dass Essen am Arbeitsplatz kein Thema mehr war. Leider tritt dieses Thema wieder auf die Tagesordnung. Also aktuelle Anfrage beim Deutschen Knigge-Rat in Bonn. Apfel am Schreibtisch ist okay. Wenn Gerüche entstehen, nicht mehr. Hier empfiehlt sich der Verzehr im Aufenthaltsraum.

Ich will wieder ins Büro

Vermisst jemand virtuelle Teams? Die jetzt ganz toll zusammenarbeiten? Ich nicht. Ich will wieder ins Büro. Menschen sehen. Mich über den Chef ärgern. Über Kollegen lästern, obwohl ich natürlich nie über Kollegen lästern würde. Denn das gehört sich nicht.

Auf Wiedersehen, Handschlag

Achtung. Jetzt zu einer wichtigen Änderung. Sie betrifft den Handschlag. Hier hat die Corona-Pandemie ganze Arbeit geleistet. Denn der Handschlag, dessen Verweigerung zuvor als Unhöflichkeit galt, kommt so schnell nicht wieder. Oh Handschlag, schön war’s mit Dir. Du wirst uns fehlen. 

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