Raum für das Neue schaffen

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Das Design und die Gestaltung des Arbeitsplatzes sollte dem kommunikativen Austausch der Teams dienlich sein. Das klappt nicht nur im Großraumbüro, sondern auch in den kleineren Einheiten. Raum für das Neue schaffen – die Prinzipien des Design Thinking helfen dabei.

Team, Raum und Prozess – auf diesen drei Stützpfeilern ruht der Ansatz des Design Thinking. Das Team sollte ein interdisziplinäres sein, denn Menschen, die in gleichen Bereichen arbeiten, denken oft in eine Richtung, und das Neue entsteht oft durch Fragen, die so noch niemand gestellt hat. Die Umgebung, in der das geschieht, sollte Althergebrachtes aufbrechen, Kreativität ermöglichen und nicht abwürgen.

Probleme lösen, neue Ideen entwickeln. Das soll Design Thinking leisten. Längst hat die Methode Einzug in die Strategie marktführender Unternehmen gefunden, so setzen etwa die Deutsche Bank, Volkswagen, Deutsche Bahn oder Siemens die Technik bei der Produktentwicklung ein. Vorreiter waren amerikanische Plattformfirmen wie Airbnb.

Über allem: die Bedürfnisse der Menschen

Das von Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley in den 90er Jahren entwickelte Konzept lehnt sich an die Arbeit von Designern an, versucht deren innovatives Suchen und Finden auch auf andere Unternehmensbereiche zu übertragen. Über allem schwebt das Prinzip, dass das Neue den Bedürfnissen und Motivationen der Menschen entspricht.

Und hier kommt das Bürodesign ins Spiel. Wer als Unternehmer im War of Talents, der sich in Zukunft noch verstärkenden Situation des Fachkräftemangels bestehen will, sollte ein inspirierendes Büro-Design bieten, in dem sich Mitarbeiter wohl fühlen.

Mitreden erwünscht

Die Raumatmosphäre wird zum Pfund, mit dem Unternehmen wuchern, nicht umsonst werden Bewerber von Recruitern gern durch repräsentative Räume geführt. Mit ein paar modernen Stühlen ist es dabei nicht getan, junge Talente prüfen sehr kritisch die Umgebung, in der sie in Zukunft einen großen Teil ihrer Arbeitszeit verbringen werden. Auch hierbei hilft das interdisziplinäre Element des Design Thinking. Denn ein Zurückziehen in Kompetenzsilos ist nicht mehr gefragt. Das Mitwirken und Mitentscheiden bei der Gestaltung der Arbeitsumgebung wird nicht nur gewünscht, sondern auch eingefordert.

Die Frage nach dem Warum

Design- und Ausstattungsverantwortliche in Unternehmen sind daher gut beraten, wenn sie sich mit den Grundprinzipen des Design Thinking vertraut machen. Am Anfang steht hier die Frage nach dem Warum. Etwa so: Warum stellen wir diese Holzbox mitten ins Großraumbüro? Glaubt wirklich jemand, dass sich da jemand reinsetzt, um in Ruhe zu telefonieren? Erst recht im Hochsommer?

Einzelmaßnahmen wie die Telefonbox oder orthopädisch korrekte Stühle verpuffen oft, denn es sind eben Einzelmaßnahmen, die in Ermangelung einer Gesamtstrategie für den Raum immer dann auftreten, wenn sich Probleme auftun und nachgebessert werden soll.

Einfacher ist es, die Raumplanung von Beginn an strategisch anzugehen. Wer soll hier wo arbeiten? Welche Kommunikationswege bedingen sich daraus? Wer geht wo lang, wenn er von A über B nach C muss? Schlichte Fragen, über die sich so mancher Raumplaner aber kein wirklich umfassendes, holistisches Bild macht.

Design Thinking in der Raum – Planung – Foto von UX-Indonesia auf Unsplash.com

Mitarbeiterzufriedenheit als Richtschnur

Design Thinking hilft, denn dessen oberste Prämisse der Mitarbeiterzufriedenheit gibt eine Richtschnur vor, der sich alle anderen Überlegungen unterordnen. Schlaue Büroplaner stellen deshalb die Mitarbeiterbefragung an den Anfang aller Überlegungen. Die Kollegen wissen manchmal am besten, welche Umgebung sie inspiriert und motiviert. Design Thinking fordert nicht nur die offene Diskussion, sondern ebenso das Ausprobieren. Wohl dem, der dies bei der Planung seiner Büroflächen berücksichtigt.

CoWorking als Vorbild

Es lohnt sich, hierbei einen Blick auf die Ideen der CoWorking-Anbieter zu werfen. Denn die haben Design Thinking schnell antizipiert, weil es den Kern ihres Geschäftsmodells berührt. Der Angestellte eines Unternehmens muss sich mit einer vorgefundenen Raumsituation abfinden, der Selbstständige aber kann, besonders in Schwarmstädten wie Berlin und München, zwischen vielen CoWorking-Anbietern wählen und sich dann für den entscheiden, der seinen Vorstellungen von Raumaufteilung und Atmosphäre am ehesten entspricht.

Die Rolle der Kunst

CoWorking Spaces sind nicht nur bei den Büromöbeln, sondern auch bei der Etablierung von Kunst im Büro Vorreiter. Besonders moderne Kunst ist heute ein wichtiger Teil im Leben junger Großstadtbewohner, sie ist Projektionsfläche für Inspiration und wirkt imagebildend für das Unternehmen.

Kunst im CoWorking Raum – Foto Eloise Ambursley auf Unsplash.com

Dem Kultursoziologen Andreas Reckwitz folgend ist Kreativität längst zum gesellschaftlichen Leitbild geworden. Nicht wie noch in den 80er Jahren ist der Typus des Managers, sondern der des Künstlers das neue gesellschaftliche Leitbild.

Jeder soll kreativ sein

Reckwitz spricht sogar vom Imperativ eines ästhetischen Kapitalismus, nachdem jeder zur Kreativität aufgerufen ist, selbst der Sachbearbeiter im Finanzamt. Auch wenn das auf den ersten Blick überzogen scheint, schließt sich hier der Kreis zum Design Thinking. Denn der Kern des Künstlers ist seine nichtentfremdete Existenz. Kreativ und unverstellt soll man selbst sein – das ist die Situation, in der Mitarbeiter im Rahmen des Design Thinking Innovationen schaffen sollen.

Büro-Design als Kündigungsgrund

Die Umgebung sollte dieser Inspirationsentfaltung nicht im Wege sein. Nach einer Umfrage des CoWorking-Anbieters Mindspace war für jeden zehnten Millennial, also Angehörigen der Generation der 18-34-Jährigen, schlechtes Büro-Design schon mal ein Kündigungsgrund.

Jeder fünfte Millennial (18,4%) lehnte der Studie folgend einen potentiellen neuen Job aufgrund des schlechten Büro-Designs und der -Ausstattung ab. Selbst wenn man wegen der Interessenlage des CoWorking-Anbieters ein paar Abstriche bei den Ergebnissen macht, sind das erstaunlich hohe Zahlen.

Büro macht müde

Jeder Vierte (24,9%) in der angeführten Altersgruppe fühlte sich durch Design, Gestaltung und Komfort des Büros ermüdet – Zahlen, die einen Weckruf für jeden Raumplaner darstellen sollten. Der Zusammenhang zwischen Zufriedenheit am Arbeitsplatz und Engagement der Mitarbeiter ist durch zahlreiche Studien hinlänglich belegt. Wer Kontrolle über seinen physischen Arbeitsplatz hat, engagiert sich mehr, wer den Raum nach seinen oder ihren persönlichen Anforderungen auswählen darf, ist produktiver.

Techniken des Design Thinking

Dass Design und die Gestaltung des Arbeitsplatzes sollte dem Austausch der Teams dienlich sein. Das klappt nicht nur im Großraumbüro, sondern auch in den kleineren Einheiten. Gemeinschaftsflächen und Rückzugsmöglichkeiten werden nicht vom vorhandenen Raum determiniert. Wichtiger ist es, spezielle Flächen zu schaffen, indem die Techniken des Design Thinking sich entfalten können, etwa das Customer Journey Mapping oder die Modellierung von potentiellen Nutzergruppen (Persona).

Im Reich der Post-Its

Wer einmal an einer Design Thinking Session teilgenommen hat, wird das kennen: am Ende der Ideenfindung-Phase ist der ganze Raum zugepflastert mit bunten Post-It-Aufklebern – vielleicht findet sich ja auch dafür in der Raumstrategie eine intelligente Lösung. Denn Bestehendes zu hinterfragen und sich gemeinsam an Projekte zu wagen, kann ganz schön anstrengend, und am Ende auch ziemlich unübersichtlich sein.

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