Installation im öffentlichen Raum, Schattenspender, Netzwerk Symbolik

Netzwerke speichern heute das Wissen von morgen

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Netzwerke als Quelle des Wissens. Hört sich logisch an. Und doch reden alle nur davon, wie wichtig lebenslanges Lernen ist. Wer demnächst in einem Workshop in gähnende Gesichter blicken will, der muss es nur erwähnen. Das lebenslange Lernen. Der Vorstellung, über die gesamte Lebensspanne hinweg zu lernen, sich in Sem- und Webinaren, Workshops, E-Learning, Blogbeiträgen, Blended Learning oder in Sozialen Netzwerken im Home Office oder am tatsächlich realen Arbeitsplatz herumzuplagen, haftet etwas Unangenehmes an.

Warum nicht gleich lebenslänglich

Warum nicht gleich lebenslängliches Lernen? Das klingt dann richtig nach Knast.

Ich habe einmal mit einem jungen Manager über das Thema Wissensmanagement diskutiert. In dem Gespräch fiel ein Satz, den ich schon öfter gehört habe. Ein typischer Manager-Euphemismus: „Wir können nicht jeden auf die Reise mitnehmen.“ Heißt: wer bei der digitalen Transformation nicht mitzieht, fliegt. Oder wird auf eine unbedeutende Stelle geschoben und darf den ganzen Tag Bleistifte von links nach rechts schieben.

Willkommen auf dem Elefantenfriedhof

In jedem größeren Unternehmen gibt es einen solchen toten Winkel, und über seine Betitelung könnte ich einen eigenen Artikel schreiben. Elefantenfriedhof zum Beispiel. Lebenslanges lernen müssen wir alle. Wirklich? Wir leben in Zeiten eines exponentiellen Wachstums von technologischer Innovation. Die Fortschritte der kommenden 20 Jahre werden bedeutender sein als der Fortschritt in den letzten 200 Jahren, so wie es schon von 2000 bis 2020 war.

Der Hund, der hinter der Wurst herläuft

Das exponentielle Wachstum von technologischen Innovationen ist nur möglich durch das exponentielle Wachstum des Wissens. Die Halbwertzeit des Wissens aber unterliegt diesem exponentiellen Wachstum ebenso, es veraltet immer schneller. Lebenslanges Lernen gemahnt an diesem Zusammenhang mit dem Hund, der einer ihm vorgehaltenen Wurst hinterherläuft.

Wissen muss skalierbar werden

Selbst der eifrigste Lernende wird im Zeitalter der künstlichen Intelligenz immer der sein, der hinterherläuft. Wissen muss also skalierbar werden. Das wird es nur in Netzwerken. Im Netzwerk ist heute das Wissen von Morgen gespeichert. Kein Unternehmen kommt in der Zukunft ohne ein dicht gewebtes Netz an Knowledge Networks aus.

Fremd ist gut

Sinnvolles Wissensmanagement heißt Management von Netzwerken. Weniger der internen Netzwerke, deren Output von Abteilungen stammt, die prozessorientiert arbeiten, sondern das Management externer Netzwerke mit diversen Wissenshorizonten. Besonders solchen, die das Unternehmen aus seiner Sicht zunächst als fremd und abseitig einschätzt.

Die Ränder von heute sind der Mainstream von morgen

In ihrem Buch „The Signals Are Talking: Why Today’s Fringe Is Tomorrow’s Mainstream“ macht die US-Futurologin Amy Webb klar, warum die Ränder von heute der Mainstream von morgen sind. Denken Sie daran, wenn sich der erste Cyborg in Ihrem Unternehmen bewirbt und die Frage nach seinem Geschlecht nicht beantworten kann oder will.

Ihre Aufgabe ist es, nichts zu tun

Lebenslanges Lernen ist eine Phrase, die Ideen der Vergangenheit zum Modell eines Wissensmanagements der Zukunft macht. Wenn das maschinelle Lernen dank Künstlicher Intelligenz in der Geschwindigkeit der letzten Jahre fortschreitet, müssen wir womöglich in ein paar Jahren oder Jahrzehnten nichts mehr lernen.

Führerschein für autonomes Fahren

Oder wir werden Dank Biohacking so schlau, dass uns das Wissen quasi zufliegt. Kürzlich las ich von einem Webinar, dass auf die Führerscheinprüfung vorbereitet. Muss jemand, der sich ausschliesslich in einem sich autonom bewegenden Fahrzeug der Automatisierungsskala 5 bewegt, einen Führerschein machen?

Netzwerke als Entscheider

Die globale Wissensgesellschaft macht uns schon heute zu Wissensmanagern. Flexible und heterogene Netzwerke lösen hierarchische Strukturen, Silodenken und Kommunikationskontrolle ab. Aus der Sicht von Wissensmanagement stellt sich auch die Machtfrage neu. Wer soll eine Entscheidung treffen? Der interne Entscheidungsträger innerhalb einer Organisation oder ein Ideengeber aus einem externen Netzwerk?

Innovation vom Verbraucher

Laut dem US-Ökonomen Eric von Hippel hat sich ein wichtiger Teil der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen längst von den Erzeugerunternehmen zu Verbrauchern verlagert, die von zu Hause aus arbeiten. Einzelpersonen erkennen ihre individuellen Wünsche, bevor die Hersteller die Art und das Ausmaß dessen erahnen können, was letztendlich zu einem profitablen neuen Markt wird. Ein frühes Beispiel dessen ist das Mountain Bike, ein aktuelleres das Kitesurfen. Die dazu gehörigen Sportgeräte sind Beispiele von Innovationen, die von Verbrauchern, nicht von Produzenten entwickelt wurden.

Kluges Wissensmanagement setzt auf Netzwerke

Ein kluges Wissensmanagement unter Berücksichtigung von Netzwerken außerhalb des Mainstreams hätte Unternehmen möglicherweise eher auf das Aufblühen eines neues Marktes oder eines neuen Geschäftssinns gebracht.

Netzwerke fördern die digitale Wissensaneignung und trainieren die Teamfähigkeit. Foto: Photo by Visual Tag Mx from Pexels.com

Bereits auf dem World Economic Forum 2018 erklärte Alibaba-Gründer Jack Ma, dass der Mensch niemals in der Lage sein wird, mit KI zu konkurrieren. Damit wir uns in einer Arbeitswelt mit KI behaupten können, gäbe nur eine Lösung: die Aneignung von Soft Skills (wie Teamfähigkeit, Motivation und eine strukturierte Arbeitsweise). Die Hard Skills überlassen wir den Maschinen. Wie das lebenslange Lernen.

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