Lichtarchitekten im Scheinwerfer – Licht

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Durch Licht inszenierte Büro-Innenwelten gestalten unser tägliches Arbeitsumfeld. Licht dient der Orientierung. Es transportiert Stimmungen und Emotionen. Licht schafft Aufmerksamkeit. Harmonisch gesetzte Licht-Akzente werten den Büroraum auf. Der Ort wird ästhetischer und wirkt sicherer. Das Gebäude wird ‚ins rechte Licht‘ gerückt und vermittelt ein positives Unternehmensimage. Licht hat zusätzlich eine biologische Wirkung. Es unterstützt unseren circadianen Rhythmus, denn es wirkt aktivierend oder entspannend. Aber das wussten Sie wahrscheinlich schon.

Licht als Raumteiler

Manchmal schaffen Lichtquellen auch Distanz und ermöglichen so verschiedene Blickwinkel und Perspektiven. Die Profession, die dafür verantwortlich zeichnet, nennt sich Lichtarchitektur. Ihre Beleuchtungsphilosophie: Licht dort einsetzen, wo es gebraucht wird. Licht dort zu positionieren, wo es nicht gebraucht, wirkt sich auf den Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen aus, denn dann wird dieser verschoben.

Immer wenn Licht nicht direkt auf Objekte fällt, sondern zunächst von Wänden und Böden reflektiert wird, spricht man von indirekter Beleuchtung. Die Lichtquelle ist hinter Blenden oder Paneelen verborgen.

Bei direkter Beleuchtung leuchtet eine Lampe eine Schreibtischfläche direkt an. Bei indirekter Beleuchtung macht das Licht einen Umweg über eine zusätzliche Fläche. Durch diese Extrarunde wird das Licht sehr stark in alle Richtungen gestreut. So werden harte Schatten und starke Kontraste vermieden, was Unbehaglichkeit hervorruft.

„Die Licht-Könner“ vor den Vorhang

Für Lichtlösungen braucht es eine hohe ästhetische Sensibilität bei der Gestaltung. Es braucht einen Sinn für Nachhaltigkeit, um Ressourcen zu schonen und unnötigen Lichtsmog zu vermeiden. Und es braucht eine ganz besondere Verantwortung für Natur, Ressourcen und Umwelt. Wer sind einige der ‚must-know‘ Lichtarchitekten und Lichtarchitektinnen, Lichtdesigner und Lichtdesignerinnen, die man kennen sollte?

Licht ist zu kostbar, um es zu verschwenden

Ólafur Elíasson ist ein dänischer Künstler isländischer Herkunft. Er lebt in Berlin und Kopenhagen und beschäftigt sich vornehmlich mit physikalischen Phänomenen in der Natur (wie Licht und Wasser, Bewegung und Reflexion).

In Eliassons faszinierenden Installationen werden sich die Betrachter ihrer Sinne, der Menschen um sie herum und der Welt dahinter bewusst. Einige Kunstwerke bringen Naturphänomene wie Regenbogen in eine Büroräumlichkeit. Andere verwenden Reflexionen und Schatten, um mit der Art und Weise zu spielen, wie wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren. Viele Arbeiten resultieren aus der Erforschung komplexer Geometrie, Bewegungsmuster und seines Interesses an der Farbtheorie.

Als Sonnenbotschafter ließ Olafur Eliasson in der Londoner Tate Modern die Sonne aufgehen. Die Adoption seiner Kinder aus Äthiopien motivierte ihn zum Projekt ‚Little Sun‘ und im Anschluss ‚Little Sun Diamond“. Little Sun, die kleine gelbe LED-Leuchte aus Plastik, deren Akkus durch Sonnenlicht gespeist werden, sollte bis zum Jahr 2020 50 Millionen Mal verkauft werden. Ihre Bestimmung: All den Menschen eine künstliche Leuchtquelle verschaffen, die noch immer ohne Stromanschluss leben müssen.

Licht und Kunst an der Bürofassade

Olafur Eliasson hat an der Fassade der Verbund-Zentrale auf dem Platz Am Hof mitten in der Wiener Altstadt eine atemberaubende Lichtinstallation geschaffen. Täglich in der Abenddämmerung überrascht diese „Intervention im öffentlichen Raum“ mit atemberaubenden Lichtspielen (Projekt Yellow Fog)

Im Gehsteig eingelassen ist ein Gitter mit 32 Leuchtstoffröhren. Das Gebäude wird alle 40 Sekunden nach oben hin beleuchtet. Die Installation wirkt wie eine vertikale Licht-Galerie, die schon von weitem auffällt und die räumliche Orientierung und das Sicherheitsgefühl der Passanten unterstützt.

Der Lampenmacher

1932 wurde Ingo Maurer als Sohn eines Fischers und Erfinders auf der Bodensee-Insel Reichenau geboren. Ingo Maurer war ein deutscher Industriedesigner, der sich auf Leuchten und Lichtinstallationen spezialisiert hat. Nach seinem Studium der Gebrauchsgrafik wechselte er das Fach und entwarf Lichtobjekte, Leuchten und Lichtsysteme.

Die Idee zur „Bulb“ soll Ingo Maurer in einer Pension, die nur durch eine Glühbirne im Zimmer beleuchtet wurde, gekommen sein. Seine Glühbirne liess er in Murano mundgeblasen fertigen. Seine bekannten Zitate: „Erfolgreich sind wir, wenn wir ein Gefühl in den Menschen auslösen“ und „Schlechtes Licht macht unglücklich“.

Bulb Leuchte – Ingo Maurer. Foto: Ingo Maurer

Marcel Wanders – „Lady Gaga des Designs“

Marcel Wanders und seine Tischleuchte „B.L.O.“ – ein Klassiker. Das Besondere an dieser Leuchte ist, dass sie durch Pusten an- oder ausgeschaltet werden kann. Eigentlich gilt: Farbiges Licht weckt Emotionen. Emotionale Beleuchtungskonzepte machen Räume und Raumarchitektur lebendig. „Wenn es um Licht geht, ist ihnen plötzlich das technisch-funktionale Licht wichtiger als alles andere. Das weiße Licht ist aber viel zu weiß. Obwohl es funktional gesehen das beste Licht ist. Vielmehr wollen doch alle Licht, das sie an Sonnenlicht erinnert“, merkt Wanders zu den Wünschen seiner Kunden an. Bauten für Industrie und Technik werden oft mit kalten Farben erleuchtet. Farbiges Licht hingegen belebt und schafft eine emotional wirkungsvolle Atmosphäre. Besonders hohe Akzeptanz erreicht ein Raum, wenn seine Licht-Kompositionen sich den Sehgewohnheiten des Menschen anpassen. Farbkonstellationen, die wir beispielsweise aus der Natur kennen, können dafür als Vorbild dienen.

Future by Starck

Philipp Starck wird als „Grande Seniore“ der Licht – Designszene bezeichnet. Der französische Designer ist ein Technikfan. Er experimentiert seit Jahren mit seinem Team an Lichtdesign basierend auf künstlicher Intelligenz. Er minimiert so den Materialverbrauch und verbessert die Umweltbilanz. Seine Forschung mit generativem Design begann vor drei Jahren. Er sieht sich als ein Mensch-Maschinen Dolmetscher und lernt durch die Arbeit mit der Software. Die Software lernt im Gegenzug seine Entscheidungen. Die Technik ist neu, das Ziel ist alt, so Starck. Es geht nicht weniger als um die optimale Form des Designs.

Philipp Starcks Objekte und seine Gebäude interpretiert er als Rache gegen die Sachlichkeit. Lichtfarbe, Lichtrichtung und Intensität machen den Charakter und die Positionierung einer Firmenmarke auch im Gebäude sichtbar. Gute Form ist poetisch, soll Philipp Starck einmal gesagt haben. Sein Einfallsreichtum spricht dafür. Mit seiner kreativen Verfremdung jagt Starck jedem ein Lächeln ab. So ist für ihn ‚Licht abdrehen‘ langweilig. Licht ausschießen macht mehr Spaß.

Lounge Gun Lamp Stehleuchte von Philippe Starck – Photo: Ursula della Schiava-Winkler

Die Lichtzukunft gestalten

Kaoru Mende, Lighting Detektives Japan arbeitet experimentell mit Kindern in Licht – Workshops. Er nützt ihre Sensitivität und schafft so natürliche Lichtverhältnisse und Lichtumgebungen. Licht wird nur dort sichtbar, wo es von einem Körper emittiert oder reflektiert wird. In der World Lighting Journey zeigt sein Team unterschiedliche Lichterfahrungen aus verschiedenen Städten. In der Fotobibliothek mit Nachtlandschaften und Beleuchtungsumgebungen aus den Städten wird so die lokale Beleuchtungskultur sichtbar.

Besonders interessant sind die Zukunftssalons, die Mende initiiert. Er sagt: „I think the role of light is going to change dramatically.“ Er ist überzeugt, dass sich ‚Standardhelligkeit‘ und Helligkeitsstufen in Beleuchtungskörpern verringern werden. Auch die Anzahl der Beleuchtungsvorrichtungen im Büro werden sich durch die zunehmende Automatisierung und das mobile Arbeiten stark reduzieren. Durch die Individualisierung der Medieninformation kommt es zu neuen Anzeigemodalitäten auf den Geräten selbst, meint Mende. Dadurch gäbe es ganz andere Beleuchtungsanforderungen als bisher.

Lichtarchitektur von den Lighting Detectives – Copyright: Lighting Detectives

Die jungen Wilden der Licht-Szene

Die Lichtplanerin Carla Sigillo gründete das Lightsphere Team. Als Inspirationsquelle nennt Carla das sich ständig verändernde Tageslicht. Sie liebe dieses chaotische, sich ständig neu erfindende Phänomen. Architektonisch, emotional und kreativ gewinnt sie mit ihrem Team eine Auszeichnung nach der anderen. Wohl verdient: Durch Lichtmuster, Strukturen und Farben verleiht sie der Büroarchitektur Atmosphäre. Egal, ob historisch oder modern: Es gelingt ihr, einzelne Raumteile mit der richtigen Farbtemperatur zu unterstreichen und den Raumcharakter hervorzuheben. Unterschiedliche Leuchten, Lichtrichtungen und Lichtfarben strukturieren das Raumerlebnis und machen funktionelle Zusammenhänge erkennbar. Hier ein paar Beispiele .

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