Home Staging: Ein Raumgefühl lässt sich auch online erzeugen

  • ca. 6 Minuten

Mit Techniken des Home Staging lässt sich die Wohnung oder das Haus aufwerten. Neue digitale Techniken helfen dabei, das Heim in virtuellen Welten besser zu inszenieren.

Wegen der Coronavirus-Pandemie arbeiten Millionen Menschen von zu Hause aus, Videokonferenzen treten an die Stelle von realen Meetings. Wer denkt, solche Konferenzen mit einem gewissen laissez-faire absolvieren zu können, der sollte möglicherweise umdenken.

Kürzlich fragte die „New York Times“ bei Tom Ford an, wie sich jeder Teilnehmer eines Zoom- oder FaceTime-Calls präsentabel darstellen kann. Die Design-Ikone verriet ein paar Tricks: Laptop oder Computer auf einem Stapel Bücher platzieren, damit die Webkamera auf Augenhöhe ist, hohe Schreibtischlampe neben Computer stellen, von einer weißen Tischdecke aus konferieren, dem besseren Licht wegen. Und etwas Puder schadet auch nicht, denn gut aussehen möchte jede/r.

Die Bücherwand im Hintergrund

Wobei der beste Look nichts nützt, wenn der Hintergrund nicht stimmt. Kürzlich erzählte ein Kollege, der als freier Projektmanager arbeitet, von folgender Begebenheit. Er zoomte mit einem Auftraggeber, der mitten im Gespräch fragte, was das denn da hinten im Regal sei. Die Auflösung: Kindersocken. Kein Einzelfall, denn jede Videokonferenz offenbart auch Details der eigenen Wohnung, und gerade Selbstständige und freie Unternehmer sollten hierbei die Erscheinungsform ihres Umfelds nicht vernachlässigen.

Der Hintergrund des Gezeigten wird mitunter zum Teil der Inszenierung der Persönlichkeit, man denke etwa an die imposante Bücherwand im Rücken eines Wissenschaftlers, bei einem Interview im Fernsehen oder im Netz.

Chaos im Home Office macht keinen guten Eindruck. Home Staging hilft. Foto: Canva.com

Der Raum existiert nicht, man muss ihn schaffen

Das gute daran ist: Es gibt eine Technik, von der sich jeder, der beruflich viel online konferiert, etwas abschauen kann: das Home Staging. Während vielen Selbstständigen diese Technik neu und vielleicht auch etwas fremd sein dürfte, sind Immobilienexperten damit längst vertraut. „Der Raum existiert nicht, man muss ihn schaffen,“ das wusste bereits Alberto Giacometti.

Barb Schwarz, Erfinderin des Home Staging

Seit den 80er Jahren gibt es Home Staging. Die zuerst in den USA aufgekommene Idee stammt von der ehemaligen Immobilienmaklerin Barb Schwarz, die bei ihrer Arbeit Kniffe erkannt hat, mit denen sich Häuser oder Wohnungen exponentiell besser verkaufen.

In den USA, England und Nordeuropa ist Home Staging seit Jahrzehnten bei der Vermarktung von Immobilien üblich, Umfragen unter US-Immobilienmaklern wiesen nach, dass der Verkaufspreis inszenierter Immobilien bis zu 15 Prozent höher lagen als Wohnobjekte ohne Facelift.

Home Staging umfasst den gezielten Einsatz von Möbeln, Farbe, Licht, Wand- und Fußbodengestaltung. Das Ganze hat etwas von Filmarchitektur, weswegen die mit Home Staging aufbereiteten Wohnobjekte gelegentlich auch „Set“ genannt werden.

Experten für Raumaufteilung

Längst gibt es auch in Deutschland zahlreiche Experten, die Wohnobjekte neu einrichten, beleuchten und umgestalten, um InteressentInnen eine perfekte Immobilien zu präsentieren. Bundesweit gibt es etwa 200 Homestager, und seit 2010 mit der „Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign“ sogar einen eigenen Berufsverband – erste Anlaufstelle für alle, die den Dienst einer oder eines professionellen Homestagers in Anspruch nehmen wollen. Hier finden sich Experten, die einen geschulten Blick für Raumaufteilung, Farb- und Beleuchtungskonzepte sowie für das Ergänzen oder Ersetzen von Möbeln und Accessoires haben.

Home Staging in virtuellen Welten

Die Techniken der wirkungsvollen Inszenierung eines Wohnobjekts funktionierten auch schon vor Corona-Zeiten, denn Ansprüche an Fotos, die in Immobilienportalen platziert werden, sind hoch. Immobilienfotografen sind auch in Zeiten der Viruskrise aktiv, manche berichten sogar von einem Boom an neuen Aufträgen – Besichtigungen finden derzeit wenn, dann nur individuell statt, umso wichtiger wird der Eindruck eines Wohnobjekts auf einem Foto oder Video. Auf einer Website lässt sich mit Animationen, einer 360 Grad-Darstellung sowie Augmented Reality-Techniken das Raumgefühl für ein Wohnobjekt auch online erzeugen.

Grundrisse lassen sich verändern

Neue digitalen Techniken erleichtern dabei die Transformation des Home Staging in virtuelle Welten. Mit einem virtuellen Staging lassen sich Veränderungen erst in einer Projektion durchspielen, bevor sie real umgesetzt wurden. Grundrisse einer Wohnung lassen sich verändern. Trennwände lassen sich herausnehmen und Möbel verstellen oder entfernen, Farb- und Lichtkonzepte testen.

Helle Möbel schaffen Lebendigkeit

Barb Schwarz zufolge kommt es beim Home Staging darauf an, dass die Räume der Wohnungen oder Häuser einen möglichst frischen Eindruck machen, farbige Dekors sind dabei ebenso wichtig wie Beleuchtungsquellen. Möbel spielen eine entscheidende Rolle, nicht nur als Raumteiler.

Helle und moderne Möbel schaffen Lebendigkeit, dunkles Mobiliar nimmt dem Raum häufig die wohnliche Atmosphäre, dem entsprechend unbeliebt sind sie beim Home Staging. Wie übrigens auch allzu persönliches, etwa Sammlungen, Krimskrams, Kitschiges oder gerahmte Fotos.

Bitte nicht zu persönlich

Denn persönliche Gegenstände des Vorbesitzers erschweren es einem Interessenten, das Wohnobjekt als das künftig eigene zu erkennen. Denn häufig fällt die Kauf- oder Mietentscheidung bei einer Besichtigung in den ersten sechs Sekunden, alles, was dann „fremd“ wirkt, stört.

Die Entpersonalisierung bewohnter Objekte wiederum hilft der potentiellen Käuferin oder Mieterin, ihre eigenen Wohnideen gedanklich einzubringen. Wie in anderen Lebenslagen entscheidet auch beim Immobilienkauf oft der erste Eindruck.

Home Staging – Auch mit kleinem Budget kann man seine Wohnung oder sein Haus ‚wertvoller‘, und in Zeiten wie diesen bürotauglich machen. Foto: Canva.com

Do it yourself: Home Staging

Aber auch wer nicht verkaufen will, gewinnt durch Home Staging etwas, zum Beispiel ein besseres Wohngefühl. Home Staging light geht so: Wohnung reinigen, Chaos beseitigen, Wände streichen, Möbel umstellen und ggf. erneuern, Schadstellen, etwa im Boden oder am Putz, beseitigen. Der Eindruck soll ein „lichter“ sein, denn ein unaufgeräumtes Haus oder eine Wohnung wirken kleiner, als sie in Wirklichkeit sind, dunkle Farben verkleinern die Räume optisch zusätzlich.

„Mehr Licht“ würde Goethe sagen, das gilt für die eigenen vier Wände ebenso wie für die Selbstdarstellung der eigenen Person vor der Webcam.

Bitte drehen Sie ihr Mobilgerät Bitte vergößern Sie ihr Browserfenster