Eine Chance für OLED

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Im Unterschied zu LED-Lampen leuchtet bei OLED Beleuchtungskörpern kein einzelner Lichtpunkt, sondern eine ganze Fläche. Weil bei Lebensdauer und Leistung in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt wurden, eignet sich die Technologie nicht nur für Bildschirme, sondern auch für Beleuchtungssysteme.

Die FA in Berlin rühmt sich, die größte Messe für Konsumenten-Elektronik zu sein, hier war in der Vor-Corona-Zeit alljährlich alles zu besichtigen, was es an Neuigkeiten gab, vom Fernseher bis zum Kühlschrank. Journalisten berichteten über die Innovationen kritisch oder gelegentlich auch begeistert, wenn es wirklich mal – selten genug – einen wahrhaftigen technologischen Durchbruch zu verkünden gab.

Jahre des Verdrusses

Dazu zählte 2006 das hochauflösende Fernsehen, und somit waren mit den neuen HD-Fernsehern viele Hoffnungen verknüpft. Der „HD Ready“ Button verhieß, dass das Gerät für hochauflösendes Fernsehen gerüstet war, was sich aber als reine Theorie entpuppte. Es folgten Jahre des Verdrusses, da die TV-Sender erst zögerlich begannen, ihre Programme in HD zu senden und den Geräten erst damit die Möglichkeit gaben, das TV-Programm endlich in gestochen scharfen Bildern ins Wohnzimmer zu senden.

Bei der Messe IFA in Berlin werden neue OLED – Bildschirme vorgestellt – Foto: Guido Walter

Für das menschliche Auge kaum noch wahrnehmbar

Erst dann stellte sich für die Hersteller ein messbarer Erfolg ein, der dann für die Branche aber schnell zum Problem wurde: weitere Verbesserungen der Qualität wie „Ultra HD“, 4K“ oder „8K“ wurden vom Konsumenten zwar zur Kenntnis genommen, lösten aber kaum Kaufimpulse aus. Zwar ließen sich die Verbesserungen im Labor messen und bestätigen, lagen aber in einem für das menschliche Auge kaum noch wahrnehmbaren Bereich. HD reichte halt. Den Meisten jedenfalls.

Schärfer und wärmer

So war es am Anfang auch mit OLED. Die Technologie sollte das Bild noch schärfer und zugleich „wärmer“ machen – nicht nur bei Fernseh- oder Computerbildschirmen, sondern auch bei Lichtelementen fürs heimische Wohnzimmer oder fürs Büro. OLED („organic light emitting diode“) ist eine Leuchtdiode, die aus organischen halbleitenden Materialien besteht. Gaben Lichtquellen wie LEDS ihren Schein punktuell ab, strahlen OLEDS diffus über die Oberfläche eines Lichtkörpers. Im Unterschied zu LED-Lampen leuchtet bei OLEDs also kein einzelner Lichtpunkt, sondern eine ganze Fläche.

Geeignet für E-Paper

Daraus resultiert ein weiches, gleichmäßiges Bild, was nicht blendet. OLED gilt zudem als nachhaltig, denn es ist geeignet zur Beleuchtung empfindlicher Objekte wie etwa von Kunstwerken in Museen und Galerien, weil keine UV-Strahlung abgegeben wird. Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität. OLED-Dioden sind so beschaffen, dass sie in biegsamen Smarthones – wie etwa dem Samsung Galaxy Fold – oder sogar als elektronisches Papier eingesetzt werden können. Zudem benötigen OLEDS kein Hitzemanagement.

OLED – aus organischem Material gemacht

Wenn die Rede auf die Nachteile der Technologie kam, führte man zuerst die beschränkte Lebensdauer an. Deren Ursache besteht darin, dass die OLED-Displays aus organischem Material bestehen. Die ersten Modelle kamen auf bescheidene 36.000 Stunden. Dieser Nachteil wirkt nach, auch wenn heutige Varianten auf eine Lebensdauer von 100.000 Stunden kommen. Das entspricht einem zehnjährigen Dauerbetrieb von 10 Stunden täglich. Ebenso gab es Fortschritte beim gefürchteten „Einbrennen“ des Bildes, wenn ein Bildschirm länger den selben Inhalt anzeigt.

Eigenständige Lichtquelle

Bei Lichtsystemen fürs Büro entfällt dieser Nachteil. Hier konnte OLED seine Leistungsdaten deutlich verbessern, ohne den Effizienzgrad von LED bislang zu erreichen. Ein Systemvergleich anhand rein technischer Messdaten ist aber schwierig. Wann sehen wir OLED also als eigenständige Lichtquelle? OLED findet ja überall dort Einsatz, wo es über die pure Funktionalität der Punktlichtquellen hinausgehen soll.

Konferenzräume und Hotel-Lobbies

Etwa, wenn in einem Büro eine „warme“ Atmosphäre geschaffen werden soll, die das diffuse OLED-Licht befördert. Oder wenn sich in Konferenzräumen und Hotel-Lobbies Teilnehmer oder Gäste behaglich fühlen sollen oder das Raumkonzept ein besonderes Lichtdesign erfordert.

OLED Papier der Zukunft – Bourrasque-Kunstinstallation in Lyon (2011) von Paul Cocksedge – Foto: Paul Cocksedge

OLED in der Rückleuchte

Da die OLED-Lichtkacheln sehr flach und leicht sind, bieten sie Leuchten-Designern mehr Optionen bei der Gestaltung. Wir werden sie in Zukunft immer öfter in Gebrauchsartikeln oder sogar in Schmuck-Objekten sehen. Und in Autos. Audi setzt die OLED-Technologie in den Heckleuchten des Modells Q5 ein. Neben der extremen Homogenität des Lichts nennt der Hersteller die stufenlose Dimmbarkeit, den sehr hohen Kontrast und die geringe Bautiefe als Argument.

Eine Chance für Glühbirnen-Nostalgiker

OLED hat eine Chance verdient, aus seiner Nische geholt zu werden. Ironischerweise kommt die Technologie besonders bei Nostalgikern an, die der 2009 verbotenen Glühbirne nachtrauen und das „kalte“ und „unnatürliche“ Licht der Energiespar- und LED-Lampen verwünschen. Diese Klientel findet in OLED eine „wärmere Alternative“ – besonders willkommen in Zeiten des Home Office.

Beitragsbild:

Alexandre Boucher Design Studio
www.alexandreboucherdesign.com
Gewinner des LG Luflux Design Wettbewerbs 2018

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