Die Stadt als MakerSpace

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Wir leben in einer Zeit, die sich technologisch rasant schnell entwickelt. Dem Wandel der Arbeitswelt mit Souveränität zu begegnen, erfordert inspirierende und komfortable Wohnformen, die sich an den neuen Bedürfnissen orientieren und das möglichst zentral, mitten in der Stadt. Bis dato galt: Wer arbeitet, ist meist an einen Ort gebunden. Nicht selten bleibt dieser über Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte gleich – der Büroschreibtisch genauso wie die Werkbank in einer Werkstatt. In Mode sind heute Co-Livingplätze, die Raum sowohl zum Wohnen und als auch als MakerSpace bieten.

Ein Nickerchen neben der Werkbank machen

Es klingt surreal, funktioniert aber. Von der Werkbank zum Internet of Things Maker-KIT. Der Austausch innerhalb der Co-Worker & Co-Living Community dieser MakerSpace Orte motiviert dazu, in neue Welten einzutauchen, Neuartiges zu entwickeln und dann selber zu produzieren.

Foto: Rob Felt und Fitrah Hamid

Die Charakteristika zukünftiger Produktion in Städten

Als solche werden Digitalisierung, Komplexität, Reaktionsgeschwindigkeit, Kreativität, Customization, lokale Intelligenz, Regionalität, Nachhaltigkeit und die Bündelung von Gütern und Service erachtet, heißt es in der Studie ‚Urban Manufacturing – Herausforderungen und Chancen für Städte‘. Diese Orte sind nicht mehr gebunden an einen gleichbleibenden Raum. Produktivität, sich ausprobieren können, flexibel zu sein und sich zuhause zu fühlen, um ein Teil eines größeren zu sein, steht im Vordergrund. Aus ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Sicht ist es nachhaltiger, in der Stadt zu produzieren.

In US-amerikanischen Städten vollzog sich über die Jahre ein Strukturwandel, der sehr stark auf eine Substitution der Industrie durch Dienstleistungen ausgerichtet war. Die Konkurrenz-Position sollte gestärkt werden, indem man einerseits anstrebte, auf der Technologie-Leiter nach oben zu klettern. Die Massenproduktion sollte anderseits den Billiglohnländern überlassen werden.

In Deutschland ist die Industrie nicht aus den Städten verschwunden. Gerade in der stark exportorientierten und wissensbasierten Industrie wurde darauf geachtet, eine kritische industrielle Basis in den Städten zu sichern, um innovationsfähig zu bleiben und sich die Produktionskompetenz zu erhalten. Mit der Transformation der Stadt als Produktionsort bilden sich Innovationsökologien heraus, in denen der materiellen Produktion eine zentrale Bedeutung zukommt.

Der MakerSpace als sozialer Stabilisator

Dieter Läpple schrieb im Rahmen einer Studie des Institutes für Arbeit und Technik: „Urbane Produktion soll die soziale Struktur der Städte stabilisieren und durch eine Stärkung lokaler Kreisläufe Stadtökonomien gegen die Turbulenzen des Weltmarktes robuster machen“. Beispiele sehen wir in der Hafenkäserei in Münster, die als Lebensmittelproduktion-Drehscheibe im Szeneviertel gilt oder das Makerlab im InnovationsQuartier Murnau im bayerischen Alpenvorland. VITALOKR in London versammelt 1.000 Unternehmen entlang der Old Kent Road mit unterschiedlicher Größe. Insgesamt werden etwa 10.000 Arbeitsplätze bereitgestellt. Es finden sich Leichtindustrie, Logistik, Kreative und Manufakturen, die die lokale Kreislaufwirtschaft befruchten.

Das Motto: Make things better

Die Co-Livingplätze haben Eigengärten oder Dachterrassen, Büros und Kleinwerkstätten in aufgelassenen Werkstätten. Die Kleinwerkstätten sind meist 17-35 m2 groß. Wie leben Menschen, die lieben, was sie machen und lieben, wo Sie arbeiten? Was ist Ihnen wichtig? „Sie schätzen besonders den Zusammenhalt, den Community-Gedanken, gemeinsam zu kochen, sich gemeinsam auszutauschen und das gegenseitige Verständnis“, sagt Jennifer Parak, Software Developer von Thought Works in Berlin, zu ihren Erfahrungen.

„Es ist immer was los, der Raum ist flexibel: ein Eventspace für Meetups, Afterworkdrinks und die Ausstattung mit großen Bildschirmen, die zum Programmieren erforderlich sind. Zum IOT-Basteln habe ich dort eine Löt-Station und motivierte Leute, die mir bei technischen Problemen helfen. Am Besten sind die Coffee-Chats oder Mittagspausen, wenn man sich zufällig in der Küche trifft. Das Leben und Arbeiten hier ist kostengünstig und privat & Beruf verschwimmt. Das kann gut und schlecht sein. Gut, weil man zwischendurch private Dinge erledigen kann, schlecht, weil man sehr konsequent sein muss, um privates und berufliches zu trennen. Co-Living ist kinderlos, das wäre eine zusätzliche Herausforderung für die Community“, sagt mir Jennifer Parak in einem Chatinterview, das wir um 22:55h führen.

Leben und Arbeiten wie im Luxushotel. Copyright Zoku Amsterdam

Co-Living ist Lebensqualität

Sich nicht mehr im Speckgürtel einer Stadt anzusiedeln, ist mitunter komfortabler und gibt dem Leben in den meisten Fällen mehr Balance. Es führt dazu, dass die Wegzeit wegfällt, die Inspiration dann abgearbeitet wird, wenn Sie entsteht. Der Möglichkeitsraum ist groß.  Co-Living ist mehr als Wohnen.

Es ist eine völlig neue Art zu leben, die eines deutlich zeigt: Echte Lebensqualität ist keine Frage der Größe und des Alleine-Wohnens. „Vielfältig Gemeinschaftsflächen, die Möglichkeit für geselliges Beisammensein – auf Wunsch und ganz ohne Zwang. Eine wachsende Zahl von Berufen kann zeitlich flexibel und unabhängig von einem bestimmten Ort ausgeübt werden. Auch die Erwerbsbiografien werden durch häufigeren Wechsel des Arbeitsplatzes und zwischenzeitlichen Phasen der Aus- und Weiterbildung geprägt, beschreibt David Rhomberg. Rustica Pekic, Startupgründerin von Profid hat sich dem Thema digitale Lösungen für Co-Living verschrieben.

„Vermietet man Wohnungen als Wohngemeinschaft, so kann zwar eine höhere Rendite erzielt werden, jedoch bringt das auch mehr Arbeit mit sich. Durch die hohe Mieterfluktuation und die vielen Mieter in WGs fallen Aufgaben wie Mieteronboarding, Vertragssignierung, Kautions- und Mietzahlungsmanagement und viele weitere Erledigungen überdurchschnittlich oft an, sind schwer zu managen und kosten enorm viel Zeit“, so Pekic. Sie hat dafür mit Ihrem Team eine digitale Plattform als Whitelabel Version unter dem Namen Proptiq entwickelt.

Ich möchte einige der neuen Lösungen nennen: digitale Unterzeichnung, samt Zahlungsverwaltung und Dashboards für die WGs, die das Zusammenleben erleichtern. Menschen, die sich entscheiden, anders zu arbeiten und zu leben, sind im Co-Living gut bedient. Sie haben alles, was der mobile Mensch braucht, und nichts, was es unnötig kompliziert macht.

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