Foto: Lee Campbell

Die neue Rücksichtnahme im Büro

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In vielen Büros gibt es keine Privatsphäre. Wenn die Mitarbeiter bald in Scharen ins Büro zurückkehren, ist besondere Rücksichtnahme gefragt. Büroclowns und nervige Verhaltensweisen, die partiell aus dem Home Office importiert werden, stören die anderen beim Arbeiten. Diese Umgangsformen muss man freundlich stoppen. Aber, worum geht’s überhaupt?

Zurück im Büro

Monatelang wurde in Medien und Fachforen nur übers Arbeiten im Home Office berichtet. Die Vor- und Nachteile wurden breit diskutiert. Der Großteil der Arbeitgeber und eine stetig zunehmende Anzahl an Mitarbeitern wollen nun langsam zurück ins Büro. „Ich finde das Arbeiten im Home Office trotzdem super“, sagt Alexander K., langjähriger Mitarbeiter von Graef. „Ich arbeite gerne konzentriert, weil es mein Job als Projektmanager mit sich bringt, dass ich hohe Verantwortung trage und da möchte ich so wenig wie möglich abgelenkt werden.“ Im Büro, wo es in progressiven Flächendesigns viele offene Flächen gibt, ist Rücksicht auf den anderen jedoch oft nicht gegeben.

„Da gibt es, wie damals in der Schule, immer wieder Büroclowns, die meinen, sie fühlen sich besonders lustig und müssen ‚Party machen‘. Wenn ich eine Auftragsbestätigung vom Hersteller mit 30 Seiten kontrolliere, bei der ich auf jede Zahl und jede Ausführung achten muss, ist es nervig, wenn ich zwei, drei Mal anfangen muss, weil ich ungewollt abgelenkt werde. Oder die Leute stürmen ins Zimmer und fragen einfach los, ohne zu respektieren, in welcher Arbeitstätigkeit ich gerade stecke. Dann ist vielleicht ihre Frage beantwortet, aber ich kann wieder von vorne anfangen. Schlimmstenfalls steht dann in 6 Wochen der LKW vor der Tür, mit 30 Schreibtischen in einer anderen Farbe, als vom Kunden in Auftrag gegeben“, erklärt Alex K.

Die Hölle, das sind die anderen

Damit hat der Philosoph Jean-Paul Sartre wohl die fehlende Selbstreflexion der Menschen gemeint. In manchen Büros liegen die Nerven blank. Kaum ist man entweder aus der totalen Stille des Home Office oder dem chaotischen Familien-Lockdown-Haushalt von 2020 zurück im Büro, da telefoniert die Kollegin links von Dir in Dauerbeschallung, der Kollege rechts kaut und schmatzt laut an einem Kaugummi und der dritte bejammert den vierten über die miese Beziehung zu seiner Frau. Hier arbeiten, wie soll das gehen? Ganz einfach: Alle müssen sich an die neuen Benimmregeln im Büro gewöhnen.

Lärm macht krank 

Ein Büro mit vielen offenen Flächen hat natürlich auch Vorteile. Wenn die Fläche offen entworfen wird, ist jeder Mitarbeiter schnell ansprechbar. Auf diese Weise zu arbeiten, ist aber nicht jedermanns Sache. Das muss in der Umgestaltung der Fläche, die in unzähligen Büros in Deutschland ansteht, rechtzeitig berücksichtigt werden. Wer kein dickes Fell für den Sinnesdauerbeschuss habe, so lese ich die Aussage der Etikettetrainerin Gabriele Krischel aus Niederkassel, der solle im Gespräch mit der Geschäftsleitung genau definieren, welche individuellen Tätigkeiten welchem räumlichen Setting bedürfen.

Lärm erschwert die Konzentration und macht auf Dauer krank. Die Kollegen müssen daher besonders viel Rücksicht aufeinander nehmen, damit sie sich nicht auf die Nerven gehen. Je mehr Leute zusammenarbeiten, umso wichtiger ist es, sich an Regeln zu halten.

Reden ist Silber, Rücksichtnahme ist Gold

„Gerade bei Videocalls habe ich die Kopfhörer auf, damit ich meine Nachbarn im Büro nicht störe. Die Rücksichtnahme bei Calls ist jetzt besonders wichtig. Kein Unternehmen hat Videocallbooths gemacht. Wenn ich an meinem Arbeitsplatz telefoniere, lege ich mindestens vier andere Arbeitsplätze lahm.“ beklagt Thomas Köhler, Projektleiter bei Graef. „Wer engagiert mit seinen Kunden redet, wird lauter – gegenseitige Toleranz und Rücksicht, das ist das Gebot der Stunde.

Deshalb sind die Leute gerne im Home Office, weil sie da in Ruhe arbeiten können. Da stören sie keinen. Calls mache ich nicht gerne im Büro, weil das Büro nicht callfähig ist. Wenn da ein Kollege neben einem, der in einem Call spricht, konzentriert an einem Dokument arbeitet, ist der raus.“

3 in 1

Was auch spannend wird, ist der Umgang mit den unterschiedlichen Formen von Desk Sharing. Das bedeutet, dass wir den Leuten die Tische wegnehmen. Wie werden sie damit umgeben, dass es nur mehr einen Tisch für drei Mitarbeiter gibt? Wirfst Du Dein Handtuch wie in Mallorca über den Stuhl – und kommst trotzdem nicht in der vereinbarten Zeit? Was Du mit dem Raum in der gebuchten Zeit machst, bleibt Dir schließlich überlassen. Denkste. Es kommt bei den Kollegen nicht gut an, die den Raum eventuell auch gebraucht hätten. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Desk Sharing – die Rücksichtnahme auf die Kollegen gebietet das Clean Desk Prinzip. „Mein Schreibtisch, meine Pflanze, meine Lampe“ gibt’s nicht mehr.

Es gilt zu verhindern, dass Mitarbeiter sagen: Ich kann nicht ins Büro kommen, weil der desk belegt ist, ich kann aber auch nicht kommen, weil es im Büro so laut ist und unruhig ist. Der Arbeitsplatz soll zum Premium-Arbeitsplatz werden. Mit viel cooler Technik, die sich zu Hause keiner leistet. Einer genialen Kaffeemaschine. Mit Fun- und Faith-Räumen, die leere Batterien mit Energie aufladen. „Deswegen müssen wir die Büroflächen so divers wie möglich gestalten und sicherstellen, dass es einen Überlauf gibt. Das heisst bei einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, die bisher 100 Tische hatten, dass wir auf 60 Tische reduzieren und die Fläche so gestalten, dass 40 Mitarbeiter, die spontan ins Büro kommen vielfältige Arbeitsmöglichkeiten vorfinden. Sie können an Meetingtischen, Esstischen, an der Bar, im Familyroom, im Faith Room oder an der Bar Platz nehmen und losarbeiten.“, sagt Projektleiter Thomas Köhler.

Bye, bye Dauer-Home Office

Laut einer Bitkom Studie vom März 2021, will ein Großteil der befragten Arbeitnehmer (n=1.502) künftig wieder einen festen Arbeitsplatz in den Büroräumen des Arbeitgebers haben. Und das am liebsten in einem Einzelbüro. Demnach möchten rund vier von zehn Berufstätigen (38 Prozent), die zumindest teilweise vom Schreibtisch aus arbeiten, einen festen Arbeitsplatz in einem Einzelbüro. Egal, ob sie in der freien Wirtschaft, im öffentlichen Dienst oder als Beamter arbeiten. Jeder vierte Berufstätige (27 Prozent) wünscht sich einen festen Arbeitsplatz in einem Mehrpersonenbüro mit zwei bis vier Mitarbeitern. Inklusive neuer Rücksichtnahme.

Open Space adé?

In ein Großraumbüro mit fünf oder mehr Kollegen will dagegen kaum noch jemand (1 Prozent). Dass viele Menschen des Dauer-Homeoffice überdrüssig sind und zurück in die Büros möchten, sagt Bitkom Präsident Achim Berg, sei nach wiederholt durchgeführten Befragungen inzwischen keine Überraschung mehr. Umso größer die Verwunderung, dass die meisten zurück ins Einzelbüro wollen. Rücksichtnahme durch Kontaktentzug? Das könne damit zu erklären sein, dass man so Infektionsgefahren von Gruppenbüros vermeiden will. Einzelbüros sind eigentlich ein Relikt aus den 90ern. Die Planung der Büroflächen post-Covid bleibt also spannend.

Lesen Sie dazu auch: https://graef-office.de/blog/verhaltensregeln-im-buero/

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