Das gesunde Büro ist kein Zufall

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Das Gesundheitsmanagement eines Unternehmens wird beim Recruiting zum wichtigen Wettbewerbsfaktor. Das gesunde Büro – reicht das vom hauseigenen Food-Supply-Manager bis zur HR-Abteilung? Ein Monitoring des Krankenstands der Mitarbeiter: das birgt allerdings Gefahren.

Stellen wir uns ein Assessment-Center im Jahr 2030 vor. Der junge Software-Entwickler lädt Personaler dreier IT-Unternehmer zum Video-Call bei Zoom.  Der Reihe nach stellen die Gäste die Vorteile ihrer Firmen heraus. Der Gastgeber hört sich die Argumente an, und verabschiedet sich höflich. „Sie hören dann von mir.“ Klar, dass der Software-Entwickler sich vorher einen Kriterienkatalog zurecht gelegt hat, der ihm bei der Auswahl des für ihn am besten geeigneten Unternehmens hilft. Ausstattung des Büros, Nebenleistungen und freie Zeiteinteilung sind vielleicht einige davon.

Nicht Mitarbeiter, Firmen bewerben sich

Er wird gewiss auch auf eines der Rankings schauen, in dem Wirtschaftsmagazine regelmäßig die beliebtesten Arbeitgeber auflisten. Bei den Top-Unternehmen ist dabei ein gemeinsamer Faktor auffällig: sie besitzen ein funktionierendes Gesundheitsmanagement. Sie haben das in Ihrer Firma nicht nötig, weil die Bewerber Ihrem Unternehmen ohnehin zufließen? Selbst wenn das so ist, muss es das in Zukunft nicht bleiben. Denn den Paradigmenwechsel erleben wir schon jetzt: Firmen bewerben sich bei jungen IT-Fachleuten, nicht umgekehrt.

Begehrte Absolventen

Auf Events wie der Digitalkonferenz „Data Natives“ in Berlin ist das bereits nichts Ungewöhnliches. Hier sprechen Mitarbeiter von IT-Firmen gezielt die begehrten Programmierer an. Beim „War on Talents“ kämpfen Firmen nicht mit Seidenhandschuhen. Von Elite-Universitäten wie die TU München oder der RWTH Aachen sind Klagen über mangelndes Interesse an ihren Absolventen nicht bekannt. Es liegt im ureigenen Interesse eines Unternehmens, die besten Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten.

Arbeitsunfähigkeitstage haben sich vervierfacht

Obwohl dies selten groß herausgestellt wird, spielt das betriebliche Gesundheitsmanagement, also das Erhalten und Fördern der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine zunehmend wichtige Rolle. Einbezogen ist hier ausdrücklich die psychische Gesundheit. Die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland haben sich nach einer Statistik der DAK in den letzten zehn Jahren nahezu vervierfacht.

Sind Chef Health Officers sinnvoll?

50 bis 59 Jahre alte Männer sind mit 6,6 Prozent dem Robert Koch-Institut zufolge am anfälligsten für einen Burn-out. Unternehmen reagieren mit Programmen zur Prävention, Stressmanagement, Gesundheitsvorsorge, flexiblen Arbeitszeiten und Coachings. Die Gesundheit zur Chefsache zu machen, sogar in der Position eines Chef Health Officers zu bündeln, liegt im Trend. Allerdings birgt eine zentrale Verantwortlichkeit für die Arbeitsgesundheit auch Gefahren.

Gefahren des Monitorings im Büro

Denn wer das Monitoring des Krankenstands konsequent weiterdenkt, landet schnell beim Einstellungskriterium Gesundheit. Höchstens die Angst vor Gegenwind in sozialen Netzwerken könnte Versicherungen davon abhalten, günstige Policen für besonders gesunde Mitarbeiter anzubieten. Zumal Datenschutz bei Gesundheitsfragen eine besondere Rolle spielt.

Change Your Space, Change Your Culture

Welche Rolle Räume auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter haben, ist erst ansatzweise erforscht.  Mabel Casey, Mark Konchar und Mark Richard Miller sammeln in ihrem Buch „Change Your Space, Change Your Culture“ Argumente dafür, dass sich das Büro auf die Unternehmenskultur und damit auf die Innovationskraft auswirkt. Den Autoren folgend sollte das Büro der Zukunft ein Ort der Begegnung sein, in dem Menschen und Ideen aufeinandertreffen.

Dynamic Spaces“ passen sich der gewünschten Arbeitssituation an

Dies geht am besten in großen, offenen Flächen, die Raum für gemeinsames Arbeiten und für informelle Gespräche bieten. „Dynamic Spaces“ sollen sich im gesunden Büro mit Schiebetüren, Raumtrennern und Tafeln jeweils der gewünschten Arbeitssituation anpassen. Heute ist in deutschen Büros eher noch die „Zellenbüro-Konfiguration“ der Regelfall. Konzentriertes Arbeiten ist hier zwar möglich, die für das Entstehen von Innovation nötige teamübergreifende Zusammenarbeit wird aber erschwert.

Das gesunde Büro

Teil des Gesundheitsmanagement sollte nicht nur das Raumdesign, sondern die Auswahl der Büromöbel sein. Denn zu den häufigsten Krankheiten und Ausfallgründen bei Mitarbeitern zählen Rückenprobleme. Hier können Unternehmen mit ergonomischen Stühlen und  höhenverstellbaren Tischen, die auch zeitweises Arbeiten im Stehen ermöglichen, sinnvoll gegensteuern.

Mit ergonomisch ausgewählten Büromöbeln lassen sich Rückenleiden reduzieren. Long live ‚das gesunde Büro‘! – Foto von Ferran Fusalba-Roselló auf Unsplash.com

Steigerung von Zufriedenheit und das Wohlbefinden

Zu wenig Bewegung, eine ungesunde Ernährung oder ein zu großes Arbeitspensum sind gesundheitsgefährdende Belastungen. Wer als ArbeitgeberIn dies berücksichtigt und Maßnahmen ergreift, kann Krankenstände zurückdrehen und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten. Weitere Effekte des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind eine Reduktion der Unfallzahlen (Near Miss Management) und die Steigerung von Zufriedenheit und das Wohlbefinden – wichtige Faktoren, um die gerade in digital aufgestellten Unternehmen zu beobachtende, starke Mitarbeiterfluktuation zu begrenzen.

Faktoren des Gesundheitsmanagements

Welche Maßnahmen im Rahmen eines Gesundheitsmanagements Priorität genießen, bleibt den Unternehmen selbst überlassen. Zum Paket können etwa regelmäßige Gesundheitschecks (z.B. Vorsorgeuntersuchungen, Blutwerte-Checks), Organisation von Sportgruppen (z.B. Walking- oder Laufgruppen), Mitarbeiterseminare zu Gesundheitsthemen (z.B. Work-Life-Balance, Ernährung, Kochkurse), Gesundheitstage im Büro, Firmen-Fitness-Events, Wellness-Angebote und auch bei kleineren Unternehmen ein eigener Koch im Büro gehören.

Was sich im Erfolgsfall erreichen lässt

Sind die Maßnahmen erfolgreich, sind für das Unternehmen eine ganze Reihe von Erfolgen möglich, etwa die Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der MitarbeiterInnen, die Senkung des Krankenstandes und des Absentismus (köstliche gesunde Ernährung im Büro wird die Home Office Quote senken – wer will denn zuHause dauernd am Herd stehen), die Verbesserung des Arbeitsklimas und die Steigerung der Mitarbeiterloyalität. Nicht zuletzt werden auch Corporate Identity gefördert und das Unternehmensimage verbessert – Faktoren, die bei attraktiven Bewerbern nicht ohne Wirkung bleiben.

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