Corona Business: Wie sich das Geschäftemachen verändert

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Kürzlich meldete sich bei mir eine alte Bekannte, die als Account Managerin und Projektleiterin in einer Berliner Werbeagentur arbeitet. Es dauerte nicht lange, und wir waren beim Thema aller Themen derzeit: Covid 19. Ich fragte sie, wie ihre Agentur sich auf den Lockdown vorbereitet. Sie berichtete von der ‚Corona Business‘ Hygienestrategie ihres Unternehmens, von Home Office on Demand, Abstandsregeln etc. So weit wie oft gehört.

Ganz andere Körperhaltung

Dann fragte ich sie, was sich für sie ganz persönlich im Kundenkontakt geändert hat und wie sie etwa mit Videokonferenzen umgeht. „Im Stehen“ kam die überraschende Antwort und dann erzählte sie von ihrer Sitz-Steh-Erhöhung, einem Schreibtisch, der sich in die Höhe fahren lässt und dann als Stehpult funktioniert. „Man hat eine ganz andere Körperhaltung beim Stehen und das kommt bei einer Videokonferenz auch rüber“, gab sie sich überzeugt. „Wirkt irgendwie dynamischer.“

Bücherwand im Hintergrund

Auf die Idee aufzustehen war ich in diesem Zusammenhang noch nicht gekommen, bislang hatte ich, bevor ich Zoom oder Whereby eingeschaltet habe, eher auf eine stabile Internetverbindung, gutes Licht und ein einigermaßen manierliches Hintergrundbild geachtet. Gut, dass ich eine breite Bücherwand besitze, die meinen Zoom-Auftritten bislang einen professoralen Touch gab. In jedem Fall hat mich das Gespräch mit meiner Bekannten angeregt, über einen Steh-Tisch nachzudenken.

Eine Stunde stehen

Als Redakteur mit Newsroom-Erfahrung kenne ich solche Systeme. Konzentriertes Schreiben geht im Sitzen besser, aber ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, mindestens eine von acht Stunden im Stehen zu arbeiten, was auch gut funktioniert hat. Warum also nicht mal eine Videokonferenz so machen, die dauert ja auch selten länger als eine Stunde.

Ach so, Sie sind ja in München

Wie machen wir Geschäfte in der Zeit von Covid19? Klar ist: Geschäftsbeziehungen lassen sich auch mit Hilfe von Telefon und Internet pflegen. Der Boom von Videokonferenzen ist aber ohne den rapiden Rückgang der Geschäftsreisen nicht denkbar. Keiner muss mehr weg, denn man sieht sich auch so. Verbesserte Bandbreiten sorgen am Bildschirm für eine bessere Bildqualität. Ein mit mir befreundeter Geschäftsführer bekundete kürzlich, dass er nach einer längeren Videokonferenz sogar vergessen hat, dass sein Gesprächspartner nicht im selben Raum in Berlin, sondern in München saß.

Boom der Cloud

Mit dem Videoboom einher geht das rasante Wachstum der Cloud-Software-Lösungen, die Mitarbeiter erlauben, auf gemeinsame arbeitsrelevante Dateien von verschiedensten Standorten aus zuzugreifen, wenn sie derlei Softwarelösungen verwenden. Eine stabile Internetverbindung ist heute die einzige Bedingung dafür.

Aus dem Home Office miteinander kommunizieren

Zuwächse spüren auch die Anbieter von ERP-Software, die alle Arbeitsprozesse eines Unternehmens in einem System zusammenfassen, z.B. Mitarbeitern ermöglichen, aus dem Home Office miteinander zu kommunizieren. In den USA, und zunehmend auch bei uns, ist dies bereits stark verbreitet.

Pandemie treibt die digitale Transformation voran

Inzwischen führt besagter Geschäftsführer auch regelmäßig Verhandlungen via Zoom, und auch die Verträge werden bei ihm digital signiert. Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Pandemie die digitale Transformation vorantreibt. Auch ihn fragte ich, was sich in seiner Firma, einem mittelständischen Unternehmen, während der Krise geändert hat. Zunächst wenig, gab er an, aber dann waren die Änderungen ab dem Sommer um so einschneidender.

Facility Management neu denken

Weil ein Teil der Mitarbeiter ins Home Office ging, schaffte er die fest definierten Schreibtische ab und definierte das Facility Management neu: nicht benötigte Büros und Konferenzräume wurden als Co-Working-Spaces an Externe vermietet. Den zwischendurch gefassten Plan, ganz in kleinere Räume umzuziehen, hat der Geschäftsführer für sein Unternehmen verworfen. Den Trend hin zum ‚Corona Business‘ Modus erkennt aber auch er. Auf Anhieb konnte er zwei Unternehmen nennen, die sich räumlich in Kürze verkleinern.

Goodbye, Firmenwagen

Eine weitere seiner Maßnahmen betraf die Firmenwagen, deren einst großzügige Vergabe er eingeschränkt hat und dafür weniger Gegenwind spürte als anfangs gedacht. Zu seiner Überraschung waren auch ältere Manager weniger statusbewusst als vermutet. Das Klimaargument wurde in einem Fall proaktiv von einem Manager angeführt, worauf, wie der Geschäftsführer schmunzelnd erzählte, die Frage nach einem Elektroauto, zum Beispiel einem Tesla-Modell S oder einem Porsche Taycan folgte.

CO2-Fußabdruck wird wichtiger

Ganz gewiss hat die Pandemie das Bewusstsein für nachhaltige Geschäftsprozesse geschärft. Mitarbeiter und sogar Bewerber achten von sich aus genauer auf den CO2-Fußabdruck ihres (potentiellen) Arbeitgebers. Das Klima profitiert vom Zurückfahren der industriellen Produktion während der Pandemie. Ein Zurück zu alten Verhältnissen wird mit jedem Tag, an dem Covid 19 das Corona Business – Leben beeinflusst, unwahrscheinlicher.

Gestärkt aus der Corona Business Krise

Zu den neuen Verhältnissen gehört zweifellos der Aufbau digitaler Kanäle, mit denen ein Unternehmen den Wegfall des persönlichen Kontakts mit seiner Zielgruppe kompensiert. Live-Formate wie Fernkurse- und Konferenzen boomen auf YouTube, erste Messen werden rein digital abgehalten. Denn jedes Unternehmen will, dass seine Marke und seine Expertise im Gedächtnis bleibt, und dass sein Business am Ende vielleicht sogar gestärkt aus der Krise kommt.

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