Co-Living und die Virus-Krise

  • ca. 5 Minuten

Zukunftsforscher Matthias Horx sorgte vor einigen Tagen mit seinem Text über die Zeit nach der Krise für Denkanstöße. Er werde oft gefragt, wann Corona denn ‚vorbei sein wird‘, und wann alles wieder zur Normalität zurückkehre. Seine Antwort lautet stets: Niemals.

Horx denkt über die Zukunft in seinem ‚Future Evolution Haus‘ am Stadtrand von Wien nach. Ein Konzepthaus, das sich in Richtung Ökologie, neue Materialien und neue Lebensformen ständig weiterentwickelt, wie er sagt. Co-Living und Co-Working – das machen er und seine Familie seit zehn Jahren. Das Haus der Familie Horx ist Wohn- und Arbeitsort zugleich.

Die Disruption betrifft unsere Beweglichkeit

Während unsere Gesellschaft vor der Krise durch die Welt gerast ist, hat sie jetzt ein ‚Grounding‘ erfahren, sagt Horx.  Wir sind in einem Zeitalter des Nachdenkens angekommen, die Beweglichkeit findet jetzt primär im Kopf statt. Horx hat uns in seinem Ausblick ‚Die Welt nach Corona‘ in die Zukunft gezoomt, in den September 2020. Mit dieser ‚Technik‘ schaut er nicht in die Zukunft, sondern von der Zukunft aus ins heutige Leben. Er meint, dass wir damit die Zusammenhänge besser erkennen.

Der große Technik-Hype ist vorbei

Es ist ein provokativer Satz, den Horx prophezeit: „Die Welt – as we know it – löst sich gerade auf.“ Vor der Krise, fährt Horx fort, schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glaubt heute noch an die große digitale Erlösung.“

Nese Yavsan, General Manager Germany von Colonies antwortet darauf: “Technologie zeigt ihre größte Kraft, wenn sie zweckmäßig eingesetzt wird, beispielsweise wenn sie zeitliche oder räumliche Probleme löst. Das wird bleiben. Aber es wird einen Kulturwandel geben: Menschliche Interaktionen, Empathie und Werte wie Vertrauen, Liebe, die Freundlichkeit im Umgang miteinander und gegenseitige Unterstützung werden wichtiger denn je.

Wir erleben derzeit eine große Beeinträchtigung des Megatrends ‚Konnektivität‘. Nach Corona – so glauben wir – werden die Menschen in Verbindung bleiben, aber die Bedeutung des Begriffs wird sich ändern. Es geht nicht um die bloße Technologie und die 24-Stunden-Konnektivität als solche, sondern um gezielte Konnektivität – angetrieben von Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühl und dem Gemeinschaftsgefühl ‚Miteinander & Füreinander‘.

Unsere Welt wird komplexer als je zuvor: Die Menschen schätzen die Distanz wieder und sind gleichzeitig achtsam in ihrem Streben nach qualitativer Verbundenheit. Während dies zunächst paradox erscheint, glauben wir, dass Co-Living genau diese Art von Komplexität in Angriff nimmt: Private Räume werden uns ‚heiliger‘, andere Wohn- und Arbeitsräume werden bewusster genutzt und mit den Menschen geteilt, denen wir vertrauen und die uns wichtig sind. Die Beziehung zwischen Vertrauen und Raum ist ein Loop: Du baust Vertrauen auf, weil Du den Raum teilst, und Du teilst den Raum, weil Du vertraust.

Ausgehend von Horx‘ Gedanken glauben wir daher fest daran, dass Colonies eine nachhaltige Lebensform schafft, indem wir diese Paradoxien auf einer neuen Ebene verbinden.“

Konzentriertes Batching und dann raus

Markus Albers, Autor des Buches ‚Digitale Erschöpfung‘ hat schon 2008 über das neue, flexible Arbeiten ein Buch geschrieben. Wenn wir uns in die Zukunft zoomen, was haben wir durch Corona gelernt? Markus: „Wir freuen uns wahnsinnig darauf, unsere KollegInnen wiedersehen zu dürfen. Man merkt, dass Home Office eine eindrückliche Demonstration der Nachteile von isoliertem Remote Working ist. Die psychologischen Folgen der Krise und des Lock-Downs sind nicht zu unterschätzen. 2-3 Wochen hält man das durch, aber 2-3 Monate? Wir wissen es zu schätzen, wieder face-to-face im Büro, Co-Working oder Co-Living Space oder im Café mit Menschen arbeiten zu können.

Der Autor Markus Albers. Foto: Tobias Kruse

Wir werden die Erkenntnis gewonnen haben, dass wir, wenn wir konzentriert in kurzen Sprints arbeiten, viel geschafft bekommen. Wir haben gemerkt, dass die klassischen Produktivitätstipps gut funktionieren und die Leute werden konzentriertes Arbeiten gelernt haben. Batching heisst nicht alle 5 Minuten die Emails checken, sondern nur alle 2-3 Stunden. Auch die Methode ‚Getting things done‘ funktioniert gut. Hier gilt es alle Aufgaben, die man hat, aufzuschreiben und in Listen einzusortieren.

Es wird uns klar, dass ein Arbeitstag, an dem wir 8-9h im Büro gesessen und durch den Tag gehetzt sind, falsch war. Die Leute werden dann sagen: Wenn ich mit meiner Aufgabe fertig bin, gehe ich einfach mal raus.“

Beitragsbild: livecolonies.com/germany

Lesen Sie auch: https://graef-office.de/blog/home-office/

Bitte drehen Sie ihr Mobilgerät Bitte vergößern Sie ihr Browserfenster