Bürowelt in den Wolken

Cloud Computing – Was Sie 2020 darüber wissen müssen

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Cloud Computing hat sich zu einem riesigen Ökosystem von Technologien, Produkten und Dienstleistungen entwickelt. Unternehmen erkennen zunehmend den Nutzen, die Plattformen und die Software externer Anbieter zu nutzen, anstatt sich selbst damit abzumühen.

Kürzlich sprach ich mit Christian F., der Projektleiter bei einer mittelständischen Firma in Berlin ist. Er klagte über seinen Chef, der neuen Technologien gegenüber – gelinde gesagt – nicht unbedingt aufgeschlossen ist: „Das fehlt mir noch, dass meine Daten auf irgendwelchen Servern liegen. Daten sind entscheidend für unser Zukunftsgeschäft. Da wollen wir die volle Kontrolle drüber haben. Wir haben unser eigenes Rechenzentrum.“

Kurz gesagt

kommt vom innovationsfeindlichen Chef von Christian F. die Ansage: „Cloud Computing, nein danke!“. Christian bat mich um ein paar Tipps, wie er seinen Chef davon überzeugen kann, die Technologie endlich einzusetzen.

Mit voller Wucht entfaltet

Zunächst wies ich darauf hin, dass sein Chef mit seiner Einschätzung eher die Ausnahme als die Regel ist. Denn Cloud Computing hat sich durchgesetzt, erst ganz langsam, aber jetzt mit voller Wucht entfaltet. Den Weg bereitet haben sogenannte Hybrid Cloud-Systeme, bei denen Nutzer selbst entscheiden, welche Daten sie bei sich verwahren und welche über Rechenzentren zugänglich gemacht werden sollen.

Der Außendienst macht Druck

Viele Unternehmen begannen mit Cloud Computing in einem Teilbereich, etwa im Marketing oder Personalbereich. Oft waren es AußendienstmitarbeiterInnen, die Cloud Computing forcierten, weil sie über Smartphones oder Tablets direkt beim Kunden auf aktuellste Daten zugreifen wollten.

Klingt fast romantisch

Cloud Computing („Datenwolke“) ist ein umfassender Begriff, er klingt fast romantisch. Damit hat das Ganze nichts mit Wolken zutun, denn die Daten schweben nicht über unseren Köpfen, sondern werden in riesigen Datenzentren gespeichert. Gemeinhin bezeichnet man mit Cloud Computing die bedarfsabhängige Nutzung von IT-Leistungen wie Speicherplatz, Rechenkapazitäten oder Software über ein Netzwerk. Das Netzwerk kann ein unternehmens- und organisationsinternes Intranet oder auch das öffentliche Internet sein.

Die Cloud schafft zwar keinen zusätzlichen Platz im Büro. Auf den Festplatten aber schon.

Cloud Computing: hat mit Himmel, Wolken und Romantik trotz des Namens nichts zu tun – Foto Guido Walter

Schluss mit dem Affentanz

Die alte Klage darüber, dass die Daten in der Cloud nicht sicher seien, ist heute ins Gegenteil umgeschlagen. Denn die Abwehr von Sicherheitsrisiken wie Cyberangriffen oder die wachsenden Anforderungen an Daten-Compliance überfordern die Infrastruktur vieler Unternehmen. Mit dem Wechsel in die Cloud können Unternehmen diese Risiken quasi delegieren. Im Falle einer Fusion zweier Unternehmen eröffnen sich weitere Vorteile.

Eine gängige Cloud-Lösung erspart den Affentanz, zwei möglicherweise inkompatible Unternehmens-Systeme zusammenführen zu müssen.

Gorillas in der Wolke

Die Gorillas auf dem Markt sind heute hauptsächlich US-Unternehmen wie Amazon, Google, Microsoft und Salesforce – falls sich noch jemand wundert, warum die Aktien dieser Unternehmen so stark gestiegen sind. Auch die deutsche SAP hat sich durch Zukäufe im Cloudmarkt verstärkt. Angesichts der Notwendigkeit, immer größere Datenmengen verwalten zu müssen, geht es vielen mit der Cloud in Deutschland nicht schnell genug vorwärts, obwohl die Nutzerzahlen stark ansteigen.

Rasant wachsender Markt

Nach einer Bitkom-Umfrage im Jahr 2019 unter mehr als 500 Unternehmen in Deutschland zur Nutzung von Cloud Computing gaben 76 Prozent der Befragten an, dass sie bereits Cloud-Dienste in ihrem Unternehmen einsetzen. Fünf Jahre zuvor waren es lediglich 44 Prozent gewesen. Angesicht dessen verwundert es nicht, dass der Markt für Cloud Computing Services boomt. Im Jahr 2019 wurden damit weltweit rund 243 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Für das Jahr 2022 belaufen sich die Prognosen auf rund 364 Milliarden US-Dollar. Bereits 2021 soll das Markvolumen im Bereich Cloud-Services in Deutschland bei rund 12,1 Milliarden Euro liegen.

Cloud Computing eats the World

Ein gigantischer Markt also, der hart umkämpft ist. Im Silicon Valley war einst der Satz „Software eats the World“ zu hören. Damit sollte ausgedrückt werden, dass der Handel mit Software ein alles überragendes Geschäftsmodell ist. Heute müsste es eher heißen: Cloud Computing eats the World. Das beste Beispiel dafür liefert ein Unternehmen, dass man auf den ersten Blick nicht mit diesem Geschäftsfeld verbindet: Amazon. Mit fast der Hälfte des weltweiten Marktes für öffentliche Cloud-Infrastrukturen ist das US-Unternehmen mit seiner Cloud-Sparte AWS laut den Marktforschern von Gartner weltweiter Marktführer.

Nachzügler Google

Die AWS-Cloud gilt als robust und erprobt, was neuen Kunden den Einstieg erleichtert. Die Microsoft Azure Cloud ist die Nummer 2 nach AWS. Ihr kommt zugute, dass viele Kunden bereits mit Microsoft-Produkten vertraut sind und den Lösungen des Unternehmens vertrauen. Google ist mit seiner Cloud eher ein Nachzügler, kann aber mit dem Einsatz von Open-Source-Technologien punkten.

Gestatten: Iaas und Paas

Generell ist Cloud Computing nur der Überbegriff für ganz unterschiedliche Dienstleistungen.  „Infrastructure as a Service“ (IaaS) ermöglicht den Zugang zu Computerressourcen, zum Beispiel Netzwerk, Speicher und Server. Beim „Platform as a Service“ (PaaS) erhalten Kunden Zugang zu der Cloud-Umgebung eines Anbieters und können dort Anwendungen entwickeln und verwalten.

Um nichts mehr kümmern müssen

Das verbreitetste Modell ist „Software as a Service“ (SaaS). Hier offeriert der Anbieter Zugriff auf die Cloud-basierte Software seines Unternehmens. Diese muss der Kunde nicht mehr lokal installieren, sondern greift über das Internet oder eine andere Schnittstelle direkt auf die Software zu. Der Vorteil ist, dass der Kunde sich nicht mehr um den Betrieb, die Wartung, den Datenschutz und das Update des Backends seiner Website oder seines Shops kümmern muss. All das liegt in der Hand des Cloud-Anbieters.

Shopify macht frei

Ein Beispiel dafür ist Shopify, deren Onlineshop-Software von über einer Million Händler weltweit genutzt wird. Kunden müssen sich nicht mehr mit der Programmierung ihres eigenen Shops plagen, sondern nutzen die Umgebung von Shopify. Kunden wie Tesla, Unilever oder Kylie Cosmetics (knapp 25 Millionen Instagram-Follower) sorgen für rasantes Wachstum. Auch bekannte StartUps der Sendung „Höhe der Löwen“ haben ihren Online-Shop über Shopify eröffnet.

Der neueste Schrei: dezentral

Längst drängen neue Anbieter auf den Cloud-Markt und bieten eine Vielzahl von Cloud-Dienstleistungen an. Ein neuer Trend ist das Edge-Computing, auf dem u.a. die US-Firma Fastly tätig ist. Der Ansatz unterscheidet sich vom traditionellen Cloud Computing, weil die Rechenleistung nicht hauptsächlich zentral in großen Rechenzentren, sondern dezentral auf verteilten Servern erbracht wird, die sich näher bei den Endnutzern befinden – eine gefühlte Hybrid-Cloud sozusagen.

Edge Computing – Foto von Josh Sorenson auf Pexels.com

Uber und Airbnb mögen Twilio

Das US-amerikanische Unternehmen Twilio betreibt eine Cloud-Kommunikationsplattform als „Platform as a Service“.  Mit Twilio können Softwareentwickler und Unternehmen mithilfe einer Webdienst-Programmierschnittstelle programmgesteuert Anrufe tätigen und empfangen sowie Textnachrichten senden. 60.000 Unternehmen finden das gut, darunter Uber und Airbnb – und vielleicht auch irgendwann das Unternehmen von Christian F.

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